Hamburg trägt kollektiv gedeckte Farben auf der steilen Tribüne im rappelvollen [k6]. Das verträumt und irgendwie verhuscht wirkende Jungwesen Anja Plaschg aka Soap & Skin ist in der Stadt. Tafeln, Tische und Theaterobjekte im Foyer wirken wie Hindernisse einer anderen Welt, aus der die Österreicherin wie durch ein Wurmloch zu uns gelangt sein muss. Entlang den wenigen Lichtern, die von weit oben über dem Piano steil nach unten leuchten und die Szenerie in ein nüchternes Licht tauchen. Ein leise ausgeatmetes “Hallo” später verschwindet die 19-jährige in ihren Werken aus Klavier, fragilem romantischem Gesang, elektrischen Klangsplittern und Kurzschlüssen. Begleitung ist sie sich selbst. Aus dem Off der Festplatte entsteht so ein etwas starres Korsett und erzeugt dann doch nicht ganz jene Dimension, die bis in die letzte Reihe der Halle reichen könnte. Nach einer guten Stunde dann Blumen und weg. Ein Rücksturz der Künstlerin nach oben durch das Licht in die dunkle, nasse Nacht hätte spätestens jetzt auch kaum noch jemanden verwundert. (kel)

Foto: Martina Drignat / musikfotografen.de

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2 Kommentare

  1. Ich durfte diesem Event auch beiwohnen. Verhuscht wirkend trifft den Nagel auf den Kopf. Ich hatte die Künstlerin auf ihrer Myspaceseite vorab bewundern dürfen. Leider gab und gibt die CD, die ich im Anschluß kaufte, mehr her als der Liveauftritt bei Kampnagel. Sowohl der Ton- und Lichttechniker waren nicht ganz bei der Sache. Die Instrumente wurden lauter eingespielt als ihr Micro, so dass man ihre Texte kaum verstehen konnte. Etwas mehr Ansprache ans Publikum als ein Hallo hätte sicherlich auch nicht geschadet. Sie ist noch jung und wird ihren Weg mit Sicherheit gehen.

    Wie gesagt von der CD bin ich schwer begeistert, an ihrer Bühnenpräsenz sollte sie noch etwas arbeiten.

  2. Danke für deinen Kommentar. Ein “Schön dass ihr alle gekommen seid” sei als Ehrenrettung nicht unterschlagen. Der Klang war leider in der Tat phasenweise unter dem Niveau der Künstlerin. An diesem Abend zumindest war die CD insgesamt das intensivere Erlebnis. Dass sie ihren Weg auch auf solchen Bühnen machen kann, dürfte aber wirklich sehr wahrscheinlich und zu wünschen sein.

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