“Radiola” war ihr großes Hurra in 2006, ein Schrei hinauf in den blauen Himmel. The Fine Arts Showcase aka Christian “the kleine Bruder” Kjellvander hatten ein extrovertiertes Debüt hingelegt, das Suede, The Jesus & Mary Chain und Pulp mit Phil Spector in einen Weltempfänger steckte, Verliebten das Goldene vom Himmel versprach und Welthit an Welthit reihte. “Dolophine Smile” kommt nun mit der synthetischen Kehrseite der Medaille. Zumindest was alle Methadon-illuminierten “Sie ist weg”-Gefühle betrifft.

“Friday on my Knees” gibt schon als erstes Stück perfekt die vorherrschende Stimmungslage wider und dreht die Robert Smith’sche Idee vom perfekten Wochenendstart wie einen rostigen Korkenzieher in die nächstbittere Rotweinflasche. Im selben Moment beginnt zu dämmern, dass dieses blendend helle Cover-Artwork nur die (in diesem Falle böse) Realität drogenvernebelt übertüncht. Kjellvander bleibt seiner trunkenen Romantikader durchaus treu. Nur am Unwirschen der Gitarren will man ihn zunächst nicht recht wiedererkennen. Inmitten der noch einmal so bezaubernden, bittersüßen Melodien aber bahnt sich die Erinnerung wie eine Fistel den Weg. So präzise, dass einem schlecht wird vor Liebe (“Lovesick”), die Ex nicht den einzigen Abschied bedeutet (“London, My Town”) und man offenen Auges ins nicht zu greifende Glück starrt (“Looking for your Love”)! Am 4. Februar im Molotow. (kel)

Share.

1 Kommentar

  1. Sehr schöne Kritik! (auch wenn die Welt leider nicht viel von den potentiellen Radiola-Welthits mitbekommen hat…)

    Aber Dolophine Smile ist wirklich ein großartiges Album und definitiv unter meinen 2009 top-ten :o)

Leave A Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.