Das Tagesgeschäft taumelt im Vorweihnachtsmodus. Zeit und Grund genug, einmal auf hierzulande (noch) nicht veröffentlichte Importware zu schauen. Das wohl intensivste Beispiel möglicherweise verfehlter deutscher Labelpolitik könnte 2009 auf das Konto Sivert Høyem gehen. Die Stimme der tragischerweise aufgelösten Madrugada, die nun im zeitlosen neuen Soloalbum Moon Landing anfangs fast bedrohlich nach Neil Diamond klingt. Und auch sonst nicht eben mit retrospektiven Ansätzen geizt.

Ein wenig hat sich der Norweger im Vorwege in Skandinavien umsehen müssen und traf dort u.a. auf den TSooL-Bassisten Kalle Gustafsson. Der Geist aus Neil Youngs psychedelischen Sixties hier, Garagenrock dort und der Spirit ganz früher (obacht!) Dire Straits (vor ihrer MTV-Ära), fertig ist diese kurvenreiche Mondfahrt. Eine, die sich deutlich in der Dynamik absetzt z.B. vom insgesamt doch eher ausgeglichenen 2004er Werk Ladies and Gentlemen of the Opposition. Als habe die Suche nach dem Weg in eben diese Opposition per höherer Gewalt und Abzweigungen erst jetzt richtig begonnen. Oder als mache sich die auferlegte Freiheit im Jahr Eins nach Madrugada nun auf den Punkt genau bemerkbar. So hat Hoyem den früheren epischen Überwurf abgelegt, seine Lieder freigelegt belassen und damit etwas fast vergessenes, wie ein banales, jedoch gänzlich vielfältiges Rock-Album geschaffen. Neustart? Horizonte existieren, um über sie hinweg zu blicken. Einer wie Sivert Høyem hat sich das geschulte Auge dazu angeeignet. “Moon Landing” (über Amazon) – ein großer Schritt nach der Endlichkeit! (kel)

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