“Yes we” ist keine fünf Sekunden jung, da löst sich die Handbremse dieses Vehikels wie durch einen elektrischen Schlag. Mr. Overdrive und Zigtausend-Volt-Mann Aydo Abay macht darin erstmal krude (Un)Gleichungen auf (“21-21=21”), ruft einen angebrannten Toast auf das Leben aus (“Get a Life”) und erweckt Ken nach viel zu langer Zeit endlich wieder zum Leben. Denn deren lose Geschichte begann schon in 2001. Und galt bis dato als Seitenprojekt, das seltsam unentschlossen wirkte, seine ganze Kraft zu entfalten.

Hätte man jedoch gefälligst genau ein einziges verstecktes Wort der Presseinfo zu zitieren, das auf dieses Album zutrifft, dann ist es “Parforceritt”. Überall in diesen zehn Tracks mit ihren teils seltsamen Namen kracht, blitzt, schackert, poltert, klingelt und rumort es. Als stemmte der Leibhaftige einen imaginären Rolladen hinauf, um sogleich eine ganze kleine Armee lärmender Kobolde in deinen Raum hinein zu lassen. Bewaffnet mit einem Equipment, das Punkrock auf dem digitalelektronischen Silbertablett darbietet. Noch ein Wort über Abays Stimme zu verlieren wäre eine Farce. Und doch reibt man sich verwundert in den äußeren Gehörgängen, wie präsent das wohlbekannte Organ kryptischer Parolen im melodiös-chaotischen Sturm bestehen kann. Auf die Spitze treiben Ken es dann auf ihrer maximal clubtauglichen Bonus-CD-Zugabe. Da wird zunächst noch in aller Arschruhe die 80er-Jahre-Dire Straits-Nummer “Brothers in Arms” (unter gütiger Hilfe derer Von Spar) ins elektrisierende Wellness-Bad getaucht, bevor mit großer Lust remixed und neugestaltet wird, was im regulären Album noch halbwegs Rahmen hatte. Aller Sphären wert. (kel)

Ken treten am 29. April im Hafenklang auf (concert-news präsentiert)!

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