Kollege (mf) wusste ja schon vor Monaten um die Qualität von “Wer bist Du?”. Zudem seien die Mitglieder der Alin Coen Band ein sympathisches, nahbares Völkchen. Grund genug, vor dem nächsten Hamburg-Auftritt am 15. März 2011 im Knust mal zu hinterfragen, wie das denn so ist mit Nah und Fern, künstlerischen Vergleichen und Altpapier.

Alin, viele eurer Lieder handeln von Nähe. Wie viel Distanz zur eigenen, privaten Lebensgeschichte hälst du für notwendig, wenn du deine Lieder schreibst?

Namen zu erwähnen wäre mir zum Beispiel zu privat. Ich halte so viel Distanz für notwendig, dass die Geschichten auf andere übertragbar sind, oder dass man sie als Zuhörer nachvollziehen kann. Lieder sind für mich keine Tagebucheinträge sondern Konstrukte. Sie geben zum Teil meine Perspektive wieder, ich schöpfe aus Dingen, die ich erlebe. Allerdings Dinge zu denen ich selber genug Distanz habe um sie beobachten zu können.

Du warst mit deiner Band u.a. als Support von Philipp Poisel unterwegs und auch mit Regina Spektor. Wie nah seid ihr euren Kollegen dabei gekommen, um daraus Erfahrungen in eure eigene Entwicklung einstreuen zu können?

Es waren sehr positive Begegnungen und auch sehr überraschende dabei, allerdings fanden diese eher auf einer geselligen Ebene statt und nicht so sehr einer, in der man sich künstlerisch austauscht. So etwas findet vielleicht eher unbewusst statt.

Euer Album „Wer bist du?“ enthält Songs mit deutschen und englischen Texten. War deine weit gereiste Vergangenheit entscheidend für diese Vorgehensweise?

Ich bin mit Spanisch und Deutsch aufgewachsen. Fraglich also, warum es bisher keine spanischen Lieder gibt. Aber das kommt bestimmt noch. Ich vermute, dass es etwas damit zu tun hat, dass ich in Schweden lebte, als ich anfing Lieder zu schreiben. Ich unterhielt mich mit meinen Freunden auf Englisch, also schrieb ich englische Lieder. Parallel habe ich auch schon auf deutsch getextet, ohne was fertig zu bekommen. Das habe ich erst später geschafft, als ich zurück in Deutschland einer Texterin begegnete, die mein deutsch-sprachiges Texten sehr unterstützt hat.

Ich persönlich mag deine mitunter sehr charmant lakonische Melancholie, die mich ein wenig an Pascal Finkenauer erinnert. Aber: Was bedeuten dir solche Quervergleiche oder empfindest du sie gar als überflüssig?

Wenn ich selber Werbung für Konzerte von anderen Künstlern mache, die nicht so bekannt sind, dann versuche ich auch mit Vergleichen ein Interesse für diese Künstler zu wecken, damit man die potenziellen Zuhörer erst mal dazu bewegt, sich z.B. die Musik im Internet anzuhören oder eben direkt zum Konzert zu kommen. Dafür müssen etwas bekanntere Namen herhalten. Schwierig ist es vielleicht, wenn die Vergleiche zu der Schlussfolgerung führen “Ah…Silberjuli, gibt’s ja schon!” und dann die Neugier versiegt. Aber zum Glück kommen die Leute bei uns immer wieder auf völlig verschiedene Ideen, mit wem man uns so vergleichen könnte. Das wiederum finde ich ganz interessant.

Noch ein Wort zum wunderschönen Gesamt-Artwork. Gab es dafür eine Vorgabe?

Unsere Vorgabe war, dass die Verpackung und das Booklet aus Altpapier sind und wir wollten unbedingt dass Marie Geissler das Design dafür macht. Auch wir finden, dass sie das grossartig gemacht hat und freuen uns, dass es vielen Leuten als etwas Besonderes auffällt. (kel)

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