Passiert auch nicht oft. Wir empfehlen einen Künstler, dessen Konzert vorerst aus gesundheitlichen Gründen abgesagt wurde (Knust). Drehen wir also jetzt total am Rad? Im Falle Jackie Leven: Ja!

Geht es außerdem zu weit, wenn wir Leven und seiner multiinstrumentalen Stütze Michael Cosgrave eine stimmliche Bandbreite quer vom Balladen-Elvis bis zum Madrugada-Begräbnis-Singalong attestieren? Die Inhalte von “Wayside Shrines and the Code of the Travelling Man” geben solcherlei Farbnuancen allemal her. Ein Album, dessen intimes Konzentrat sich mitnichten an der Oberfläche ausbreitet wie ein schillernder Ölfleck, sondern lieber später in TiefSehGräben aufzulösen beginnt. Eines auch, das vor allem unterwegs entstand, als sich der Songwriter Jackie Leven solche existenzielle Fragen stelle, wie die nach dem Sinn von blumigen Arrangements und mehr oder weniger abstrakten Kunstobjekten an den Rezeptionen deutscher Mittelklasse-Herbergen. Der hat Nerven.

“Wayside Shrines and the Code of the Travelling Man” wurde also unter anderem an solch handverlesenen Orten geschrieben, wie dem Motel California in Isernhagen, dem Mercure in Dresden und dem Hotel Pacific am Neuen Pferdemarkt. Kulissen für bewegende, aber auch im ganzheitlichen Sinne “bewegliche” Trauer. Da können sich zeitgenössische Kurzzeit-Mitwohnkulturen noch so händeringend etablieren. Der ganz offen gelegte Zauber des trostlosen Zimmers in einer verschachtelten, architektonischen Bausünde soll hier zwar sicherlich nicht verklärt und über Gebühr mystifiziert werden. Doch die Frage, an welchen Orten sonst dieses fesselnde Werk hätte entstehen können, die bleibt. (kel)

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