Wenn es Herbst wird in der Stadt, ist die Zeit gekommen, dass sich Lichter auf dem (auch musikalisch oft glatten) Asphalt spiegeln. Auf manche Dinge ist eben Verlass. Ähnlich wie auf “Eine Frau”„Ich bin eine erwachsene Frau in den 40ern, und so möchte ich auch klingen.“, sagt Jasmin Tabatabai. Zusammen mit dem Jazz-Komponisten David Klein ist die Umsetzung so gut gelungen, dass man an das legendär gewordene Tim Isfort Orchester denken möchte. Wären da nicht auch diese vielen wunderschön trunkenen und lebenslustigen Elemente, die den Hörer nonchalant an die Hand nehmen und ins pralle Leben hinaus entführen.

Dabei verlassen die Tabatabai und Herr Klein sich weder auf Moral, noch auf eigens geschriebenes Liedgut. Charismatische Verneigungen und Neuinterpretationen vor einem Friedrich Hollaender etwa wechseln sich ab mit Erinnerungen an Romy Schneider, tanzen einen Reinhard Mey-Bossanova, transportieren “Un Homme Heureux” in feistem Tangotanz durch einen deutschen Ballsaal.

Dazu feiert und flirtet sich die Deutsch-Iranerin als ausgesucht selbstbewusster Mensch durch das eigene Orchester und ihre gesamte Figurenwelt. Eine, in der sich Jasmin Tabatabai die selbstverständliche Freiheit nimmt, sich selbst ganz und gar alleine zu gehören. Mit allen denkbaren Konsequenzen. Diskret und maliziös, je nach Bedarf. Dann zieht ein Herbstgewitter auf, es schneit gar. Die Straßen, der Asphalt, das Konzert: 27. Oktober | Laeiszhalle (kleiner Saal).

 

Share.

Leave A Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.