Wird das ein Heimsieg, wie der Kollege (mf) bereits im November behauptete? Zunächst: Wer mit Titeln in Richtung der Sonne folgt, die “Sattelt die Hühner, wir reiten nach El Paso” heißen, macht sich ja per se schon ein kleines bisschen unsterblich.
Das erinnert zwar nicht nur an schlimmen Karnevals-Humor aus den Siebzigern. Macht aber auch gleich Hoffnung, die Neigungs-Gruppe Sport könnte nach fünfzehn Jahren auf dem vierten Album eine erfrischende verpeilt-verspulte, vor allem aber verspielte Attitüde an den Tag legen. Oder in die Nacht? So kontrastreich das Artwork scheint, so zerrissen “Aus der Asche, aus dem Staub” noch in “Wer führt dein Leben” beginnt. So sehr trampelt und strahlt danach schon “In einem Land nach unserer Zeit” als Miniatur-Jurassic-Park aus seiner eigenen Mitte heraus.
Grobkörnig schreiten Sport auf “Dünnes Eis” über gar nicht so brüchige Beziehungsflächen (mit Gastsängerin Masha Qrella und Simon “Ach, da steckt der” Frontzek am Piano). Optimistische Melancholie hier, furztrockene Rufer in der Wüste dort (“Eldorado ruft uns”) wandeln sich die Temperatur, der Rhythmus und das Tempo auf “Aus der Asche, aus dem Staub” antizyklisch Etappe für Etappe.
Für Refrain-Mitsinger wird’s hier übrigens nix zu erben geben, auch wenn manch vereinzelter Moment an Madsen oder Kante mit Roger Cicero-Organ 25 Jahre nach dem Abitur klingt – nur halt besser. Kopfüber die gesamte Zeit in einer Strömung und manche schöne Melodie zerbirst beim Sprung über die Klippe in Fragmente. Indem Felix Müller mit seiner stoisch-spröden Art aus dem Off von ganz lebendigen Bildern erzählt, kreieren Sport am Ende die (nicht nur) introspektiv erscheinende, anonyme Werkschau irgendeiner noch lange nicht verlorenen Seele. Also? Heimsieg! 22. März | Molotow (kel)
