Wie war das noch? Schlafende Hunde soll man nicht wecken. Haben die Donots auch schon von gehört – interessiert sie aber zum Glück herzlich wenig. “Wake The Dogs” heißt ihr neues, gerade erschienenes Album. Punk Rock at its best, zu Recht gleich mal ziemlich weit oben in den Albumcharts eingestiegen. Sogar Singalong-Großmeister Frank Turner haben sie sich für “So Long” ins Boot geholt! Wie es dazu kam und was es mit den Hunden auf sich hat, verrät uns Donots-Ingo im Interview.

Und wenn die Hunde schon mal wach sind, kann man sie auch gleich ausführen. Denn machen wir uns nichts vor: die Donots waren schon immer und sind auch heute noch live eine Sensation. Überzeugt ihr euch am besten selbst von. Am Freitag erst um 16 Uhr beim Unpluggedset bei Saturn, später am Abend in der Großen Freiheit 36  (für die Glücklichen mit Ticket – oder siehe unten), beim Zusatztermin am 3. Oktober an gleicher Stelle – oder im August beim Jübek Open Air – präsentieren wir, wird also gut werden.

In “Born A Wolf” singt zur Abwechslung mal Guido und dann gleich Zeilen wie “I was born a wolf, I’m taking back what’s mine” – ist das seit dem Befreiungsschlag mit “Coma Chameleon” die Donots-Parole? Wir nehmen uns, was uns zusteht und machen’s auf unsere Art?

Ingo Donot: Haha, so hab ich das noch nie betrachtet, aber da habt ihr echt recht! Das könnte in der Tat so etwas wie ein Leitspruch für die Donots seit “Coma Chameleon” sein. Wir haben halt total Blut geleckt, was das Experimentieren angeht und setzen uns absolut keine Grenzen mehr. Wir machen mehr denn je, worauf wir Bock haben und probieren, das allerbeste aus jedem Moment rauszukitzeln – egal ob im Studio oder auf der Bühne. Seitdem wir unser eigenes Label Solitary Man Records in Japan und Europa aufgemacht haben, wissen wir darüber hinaus halt auch sehr genau, wie die andere Seite des Business aussieht und auch hier machen wir, was sich am allerbesten für uns anfühlt.

Welchen Stellenwert hatte bzw. hat Kurt Ebelhäuser für euch?

Ingo Donot: Kurt ist ein guter Freund und definitiv die Initialzündung für die “neuen” Donots gewesen. Seitdem er unseren Sound mit seiner Produktion von einer anderen Perspektive beleuchtet hat, haben wir wieder dieses Feuer, als wären wir eine komplett neue Band. Dass man das nach 18 Jahren immer noch sagen darf, ist wirklich der Hammer! Außerdem trägt Kurt zu jeder Tageszeit eine Lederjacke, besteht zu mindestens 50 Prozent aus Jägermeister und erzählt haarsträubende Geschichten. Der ist also ein Gesamtkunstwerk.

Was hat es denn mit den Hunden überhaupt auf sich? Hat die Erfahrung gezeigt, dass sich mit Welpen mehr Platten verkaufen lassen oder watt? Ne, jetzt mal echt: “Wake The Dogs”, “Born A Wolf” – da ist doch was im Busch! Klärt uns auf!

Ingo Donot: In der Tat: Mit kleinen Kindern und Hundewelpen kriegt man die Ladies, hehe! Nee, im Ernst: Wir sind einfach große Hundefans und unser Videoregisseur Magnus Härdner hat ebenfalls einen Vierbeiner-Tick. Da lag es auf der Hand, Videos mit Hunden zu drehen. Und der Albumtitel tut natürlich sein übriges. Hunde wecken soll man ja bekanntlich nicht – wir machen das aber trotzdem. Mut zum Risiko, quasi. Und mit “Born A Wolf” hab ich halt im Hundekontext unsere Wurzeln textlich festgehalten. Konzeptalbum, ick hör dir trapsen? Nee nee, soweit würde ich dann doch nicht gehen. Aber Hunde sind schon ein wenig das Leitmotiv.

Die Beatsteaks und die Donots waren so ein bisschen die Bands meiner Adoleszenz, quasi die Toten Hosen und die Ärzte meiner Generation. Kann man zwischen euch und den Kollegen aus Berlin diesen Vergleich zu Belafarinrod und Campino und Co. ziehen? Und hat euch der unglaubliche Erfolg der Beatsteaks gefreut oder auch ein bisschen neidisch gemacht? Sie sind ja gefühlt ungefähr zu dem Zeitpunkt richtig durch die Decke gegangen, als die Donots gerade am Tiefpunkt waren…

Ingo Donot: Ja, der Vergleich kommt, zumindest für mich, durchaus hin. Die Hosen waren mein allererstes Rockkonzert ever und das hat bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich war damals so was von weggeblasen. Gleiches gilt für die Ärzte, die ich damals auf Vinyl meinem großen Bruder aus der Plattensammlung geklaut habe. Finde es übrigens großartig, dass es beide Bands immer noch gibt und die immer noch relevant und gut sind! Was die Beatsteaks angeht: Die sind supergute Freunde und wir freuen uns einfach riesig über alles, was bei den Jungs passiert! Fantastische Live-Band und gute Leute! Neid gibt es da nicht. Jede Band hat halt ihr eigenes Momentum und bei uns fühlt es sich gerade jetzt so an, als ob wir einen nächsten Level erreichen. Unser Album “Wake The Dogs” ist gestern auf 6 in die Charts eingestiegen und wir sind total umgehauen und glücklich!

Könnt ihr von der Musik und dem eigenen Label leben? Und wie sieht das so aus im Alltag, als Labelchefs und Musiker?

Ingo Donot: Wir dürfen jetzt schon 18 Jahre lang das machen, was uns am meisten bedeutet. Das ist eine glückliche Fügung und macht uns unfassbar stolz. Dass wir mit unserer Musik also unseren Lebensunterhalt bestreiten dürfen, ist der absolute Hammer! Wir haben alle keinen Hubschrauberlandeplatz neben der Villa, aber die Miete können wir schon bezahlen! Alltag haben wir auf der anderen Seite allerdings kaum. Es vergeht quasi kein Tag ohne irgendwelche Band- oder Label-Arbeit – sehr zum Leidwesen unserer Freunde und Familien. Das ist leider die Kehrseite der Medaille – man hat kaum Zeit für irgendwas anderes neben der Musik. (Wobei: Das ist Meckern auf hohem Niveau!)

“So long” mit Frank Turners! Wie kam’s?

Ingo Donot: Wir haben Frank per Mail gefragt, weil wir ihn sehr schätzen und er hat keine halbe Stunde später zurückgeschrieben: “Klar bin ich dabei! Ihr seid meine Lieblingsband aus Deutschland!”… Da haben wir uns natürlich riesig gefreut und ihm die Spuren zu einem Song nach London geschickt. Er hat seine Vocals im Studio eingesungen, zurückgeschickt und wir haben das ganze dann hier eingebaut. Lustigerweise ist besagter Song nicht auf das Album gekommen, weil er nicht in die Tracklist gepasst hat. Wir haben also einen zweiten, fertigen Song neben “So Long” aufgenommen mit Frank, den wir an anderer Stelle bestimmt nochmal raushauen werden. Für “So Long” hat Frank uns dann im Studio in der Nähe von Münster besucht und das ganze kann man sich dieser Tage auch auf Youtube und Donots Facebook angucken in einem netten Making Of Video. Frank ist ein geiler Typ, soviel steht mal fest!

Ihr habt die Brixton Academy ausverkauft? Erzählt mal wie mega das bitte war!

Ingo Donot: Brixton haben wir damals mit Millencolin und Anti-Flag gemacht. Das war der absolute Hammer – die heiligen Hallen, verdammt! Das hat riesigen Bock gemacht – und die Briten waren sogar extremst in Feierlaune! Um es also auf der “Mega-Skala” zu markieren: das war MEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEGA!!!

Und wenn wir schon beim Thema “Donots live” und “mega'” sind: wie wars, mit Refused zu spielen?

Ingo Donot: Auch hier haben wir derben Ausschlag auf der “Mega-Skala”! Dennis von Refused kennen wir schon viele Jahre und es war toll, ihn mal wiederzusehen! Und Refused selbst hab ich das letzte Mal vor ca. 15 Jahren gesehen auf der “Songs To Fan The Flames…”-Tour. Dementsprechend war ich total glücklich, die “Shape Of Punk To Come”-Songs endlich mal live zu sehen. Und was soll ich sagen? Das ist eine Reunion, die so gerne stattfinden darf – egal, was da die Szene-Polizei sagt. Ist zwar schon merkwürdig, mit diesen Texten die großen Stadionbühnen klarzumachen, aber das machen Refused halt immer noch viel viel besser als die meisten Bands da draußen.

Diesen Sommer grast ihr Festivaldeutschland ja ordentlich ab – irgendwelche Dates, auf die ihr euch besonders freut?

Ingo Donot: Jedes Festival ist ein gutes Festival, wenn es grüne Flaschen gibt! Wir freuen uns einfach, endlich die neuen Songs zu spielen – ganz egal, ob bei Rock Am Ring, Area4 oder Omas Teich und Co… Das wird ein guter Sommer!

Interview: Esther Mahr / Text: mmk

 

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