Der Kombination “Schwarz Gold Blau” im Titel eine gewisse tiefschattige Unterkühlung zuzuordnen, dürfte psychologisch keine wirklich große Aufgabe darstellen. Dass es sich bereits anfangs in der Standard-Großraum-Tempel-Disse “Lift Off” gleich um Tunnelblicke auf ArschgeweihZentren, Wodkabier, tagelange Katerstrecken und leicht entflammbare Emotionen dreht, lässt die allgemeine Betriebstemperatur im künstlichen Gehäuse des Textor trotz allem nicht steigern. Ganz platt gesagt: Die eine Hälfte Kinderzimmer Produktionen hat ihre Pubertät im Sturm genommen und blickt zurück auf ein fiktives junges, aber auch erstarrtes Erwachsensein.

So schlurft, reüssiert und chansonisiert sich “Schwarz Gold Blau” entlang eines gut gefüllten Bilderrahmens bestehend aus traurigen Sehnsüchten, schier endlosen Straßen-Fluchten, einer IrgendwasNachHipHop-Apokalypse und Kontrasten, die sich antipodischer kaum vorstellen lassen. Wo Truck Stop auf Tocotronic treffen, Franz Grote auf Frank Spilker auf Henry Valentino auf den Wagen vor dir in einer langen Kreuzberger Nacht, ließe sich schon hier beim Lesen preiswerter Klamauk befürchten. Nicht bei Textor, der auf dieser alltäglichen inneren Reise nach Jerusalem mal einen Stuhl zu viel wegnimmt. Oder aber an anderer Stelle zwischen Schleckermarkt und Notausgang ins Wochenende das Licht verdammt weit hinunter dimmt. Ein Ende in totaler musikalischer Reduktion inklusive Schrecken ohne Ende. Album des Jahres-Kandidat. (kel)

 

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