Prag? Von der goldenen Stadt hatte man doch zuletzt gehört, als der eine oder andere Springsteen-Jünger sie in sein Tour-Portfolio packte, weil es dort noch letzte FrontOfStage-Tickets gab. Prag aber assoziieren die älteren unter uns auch mit der mystischen TV-Figur Pan Tau, einem märchenhaften Charakter, der ohne einziges Wort unter der Melone so alles ausdrücken und gutzaubern konnte, was Kindsköpfe aushielten.
Bringen wir das alles mal zusammen: Große Geste, verschrobenes Kino mitten im Vakuum der latenten Unwirklichkeit. Prag nehmen sich auf “Premiere” daraus ein Stück mit großem Besteck, teilen Schnittmengen aus zum Beispiel den frühen Polarkreis 18, Kante, Leonard Cohen-Geschichten, Tim Isfort Orchester (wer erinnert sich?), Restarroganz und überteuerten Immobilien mit scharfem Messer, gespitzter Gabel und zur Not dem edlen, Gold-Patina-Pizzateiler.
Mondän ist das in der Außenwirkung, Orchester können das Budget und die Kunst auch und nicht mal Nora Tschirner drängt sich in den Vordergrund. Eher schon die Streicher manchmal. Und wie sich straffrei “Sonne brennt” auf “Morgen verpennt” reimen darf, hat auch noch niemand vorgemacht. Respekt. Nur warum zur Hölle, müssen wir das in Hamburg missen? (kel)
