Wenn heute Sonntag wäre, der Tisch wäre gedeckt zum mittaglichen Spät-Frühstück, die Heizung wäre auf Gemütlichkeit eingestellt, der Kaffee würde duften und die Brötchen beim Aufschneiden noch dampfen. Aus den Lautsprechern würden leise Töne schallen und die entspannte Frühstückstimmung perfekt untermalen. Die Rede ist von neuen, mittlerweile sechsten Album von I am Kloot (14. März. Uebel & Gefährlich). “Let It All In“ sollte aber nicht nur an Sonntagen gespielt werden, sondern wann immer möglich!
Bewegten sich die Vorgänger “Sky At Night” und “I am Kloot Play Moolah Rouge” noch in poppigeren Gefilden (heimste “Sky At Night” sogar eine Nominierung für den Mercury Price ein), besinnen sich die drei Jungs aus Manchester wieder auf ihre Anfänge.
Denn “Let It All In” erinnert an die wunderbaren Momente von “Gods and Monsters” an “Natural History” oder ihre John Peel Sessions: es
knarzt und raucht und groovt, ist bluesig, erdig und besticht einmal mehr mit den scharfsinnigen- und scharfzüngigen Songs, die durch die markante Stimme John Bramwells ihre Seele erhalten. Wer schon einmal in den Genuss kam, I am Kloot live zu erleben, der weiß, dass neben ihren Songs über “love and disaster” immer wieder bluesige Parts ein wichtiger Bestandteil waren.
Auch, dass John Bramwell gern mal pöbelt, jedoch sicher viel harmloser ist, als seine weingelockerte Zunge vorgibt. Beim Hören des von Elbow-Mastermind Guy Harvey und Craig Potter produzierten “Let It All In” wünscht man sich vom Frühstückstisch beinahe in den Pub, um mit Andy, Pete und John am Tresen bei einem Bier über die alten Zeiten, über gescheiterte Beziehungen und den alltäglichen Wahnsinn zu schwadronieren. (ms)
