Was stellt man an mit einem Album, das sich bestenfalls an allen Ecken und Kanten ganz “vogelfrei” einer bestechenden Zähigkeit hingibt? “Emotionale Zitrone” nämlich könnte so einen Kasus bedeuten. Fabian von Wegen vertont und interpretiert die Generation Mitte Zwanzig und dreht dabei sinngemäß die Fünf in Fünfundzwanzig zu einem großen Fragezeichen um. Die Zeit nehmen, sich nicht festzulegen (“und während du im Schlaf erzählst, irgendwas mit halt mich fest, denk ich bei mir, ich kann dich leiden, und schieß ein Foto von uns beiden”), den flüchtigen Moment aus dem Drei-Tage-Wach-Bart sprießen lassen – generell nichts gegen einzuwenden.
Ob “Eine halbe Ewigkeit zwischen hier und glücklich sein” oder “Und ich stehe wie immer dazwischen, zwischen den Fronten Gefühl und Verstand” auf Dauer allerdings auch Antworten auf drängende Fragen stellen kann (oder will) sei dahingestellt. Musikalisch bleibt die “Emotionale Zitrone” etwas trocken im Abgang und presst zu selten wirklich den Saft aus der Prinzessin oder dem Scheißtyp auf dem weißen Schimmel. Aber vielleicht folgt dieser Mut ja auch beim nächsten Album. 22. Mai | Pooca Bar (kel)
