Woran erkennt man, dass man selbst nicht mehr zum jüngsten Eisen gehört? Dass man über Bands sprechen kann, die es mittlerweile 30 Jahre gibt und man sie in den 80ern schon live gesehen hat. Die Schotten Travis gehören nicht in diese Altersgruppe, wobei sie jetzt, nach 14 Jahren ihrer Bandgeschichte mit ihrem neuesten Werk “Where We Stand” (VÖ 16.8.) ihr  mittlerweile siebtes Album herausbringen. Und auch so ist die Zeit nicht ganz spurlos an ihnen vorbeigegangen. Gefeiert wurden sie Ende der 90er für Britpopperlen wie “Why Does It Always Rain On Me”, “Side” oder “Tied To The 90s”.

Doch verlernt haben sie nichts, denn “Where you stand” hat all diese Perlen, die einen auf die Tanzfläche wirbeln lassen würden, man würde laut zum wunderbaren “Moving” mitsingen und sich in die gute alte Britpoppartyzeit zurückversetzt fühlen. Klar, die gibts noch in den Großstädten, nur hält die meisten Altersgenossen die mittlerweile angeschaffte Familie davon ab, auf diese Ereignisse zu gehen. Solche eingängigen – ja Radionummern, davor strotzt das Album, doch muss man das nicht schlimm finden. Nicht, wenns von Travis kommt, denn das konnten sie schon immer: große Popnummern schreiben. Sie erfinden nichts neu, hier und da hört man einen zwar Travis-untypischen Sound, wie bei “Warning Sign” oder “New Shoes”, jedoch verleiht Healys Stimme jedem Song seine Marke. Dann tänzelt man leichtfüßig in diesen neuen Schuhen durch London.

Mittlerweile selbst alle familientechnisch gut versorgt, schaffen es Travis trotzdem und mit Hilfe vom Produzenten Michael Illbert (The Rasmus, Backstreet Boys, Tocotronic) das zu machen, was sie mögen. Große Hymnen, kleine pianoverzierte Nummern. All das wird zum großen ganzen und schwirrt fortan im Travis-Kosmos. In dem man sich gern fallen lässt, die Augen schließt und selig hin und her tanzt, so wie früher, als wir noch “All I Want To Do Is Rock” sangen. (ms)

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