Für die beiden Thüringer Musiker geht es seit einiger Zeit steil bergauf. Seit 2010 steht das Duo bei dem Hamburger Label Audiolith Records unter Vertrag, 2011 gewannen Captain Capa den “New Music Award” und 2012 war die Band Teil des Lineups der “Vans Warped Tour” in den USA. 17 Konzerte spielten Captain Capa im Rahmen dieser Tour in den Staaten. In diesem Jahr steht nun noch eine Reise zum Sziget Festival und, mindestens genauso wichtig, die Veröffentlichung der neuen Platte an. Im Oktober soll mit “Foxes”das neue Werk von Hannes Naumann und Maik Biermann, wie die beiden Captains im wahren Leben heißen, erscheinen. Kurz gesagt: Es passiert sehr viel um die Band. Grund genug für uns, um Hannes ein paar Fragen zu stellen.
Nach dem Gewinn des “New Music Award” und der ausgedehnten USA Tour: Was steht als nächstes bei euch an? Und was wollt ihr jetzt überhaupt noch erreichen?
Hannes: Also bei uns dreht sich derzeit alles um die neue Platte. Wir haben das Album gerade fertig gemacht und es kommt im Oktober raus. Uns ist jetzt erstmal wichtig, dass das raus kommt und durch die Decke geht wie Sau! Ich habe vor kurzem erst einen wunderschönen Satz von den Orsons gehört, die ebenfalls gefragt wurden, was sie jetzt noch erreichen wollen und die meinten “Wir wollen endlich mal im Dunkeln auf Festivals spielen und Stadien füllen!”. Bei unseren Zielen gibt es nach oben hin einfach keine Grenzen. Wir wollen die Weltherrschaft! (lacht)
Du hast gerade schon das neue Album angesprochen. Wie läuft das bei euch ab, wenn ihr ein neues Album produziert?
Hannes: Die ganze Arbeit ist ein bisschen tricky. Meistens ist es so, dass ich die Grundbausteine für einen neuen Song mitbringe. Ich habe dann oft schon eine Melodie im Kopf oder habe einen Text geschrieben und fange an, daraus einen Song zu basteln. Dann kommt Maik hinzu, der als einziger von uns beiden überhaupt ein Instrument spielen kann. Er beginnt dann zu diesen Grundbausteinen auf seiner Gitarre herumzuklimpern und dann basteln wir gemeinsam an dem Song herum, was ja bei elektronischer Musik alles ganz cool funktioniert. Wenn wir dann genug halbfertige Songs zusammengebastelt haben und finden, dass das cool ist, dann gehen wir mit unserem Produzenten Norman Kolodziej von Bratze ins Studio, in sein “Chateau Brachial”. Da werden die Songs dann quasi glattgebügelt und oft fallen uns dort auch noch neue Sachen ein oder uns fällt auf, dass wir einen bestimmten Refrain nun doch anders haben wollen. Die Songs werden dort quasi ein zweites Mal neu gebaut. Die Zusammenarbeit läuft auch meistens ziemlich harmonisch und ohne Streitigkeiten ab.
Knüpft eure neue Platte nahtlos an euer voriges musikalisches Schaffen an oder habt ihr euch ganz neu erfunden?
Hannes: Die neue Platte ist auf jeden Fall eine Weiterentwicklung. Wir haben uns auch erlaubt, uns ein bisschen krasser auszuprobieren. Auf der letzten Platte haben wir unseren Stil gefunden und ebendiesen ausgearbeitet und dieses mal wollten wir uns auch ein bisschen austoben. Wir haben neue Sachen ausprobiert, die wir uns vorher nicht getraut haben. Auf der Amerika Tour haben wir ganz viele Einflüsse aus dem Emocore Bereich gesammelt und deshalb finden sich auf unserer Platte auch wieder gute Girarrenbretter. Außerdem haben wir in letzter Zeit viel R’n’B gehört, so Drake und The Weekend und sowas, was man ja nun überhaupt nicht von uns vermuten würde. Und auch diese Einflüsse haben wir mit in das neue Album einfließen lassen. So haben wir bei einigen Liedern den Beat einfach etwas langsamer gemacht, um ein gewisses R’n’B Flair hinein zu bekommen. Ich finde die Platte ist dadurch viel interessanter geworden.
Wie kam es damals überhaupt zu der USA-Tour?
Hannes: Das haben wir selber kaum mitbekommen. Nach dem Gewinn des “New Music Awards” sind kleinere Amerikanische Booking-Agenturen auf uns aufmerksam geworden und in Amerika gibt es seit gefühlten 1000 Jahren eben diese “Vans Warped Tour”, bei der jeden Tag circa 80 Bands in einem Ort spielen und am nächsten Tag fahren dann alle gemeinsam zum nächsten Ort. Als Jugendliche haben wir diese Tour schon sehr gefeiert, als wir damals noch Emo-Kram und sowas gehört haben. Wir wollten dort schon immer mal hin fliegen und uns das angucken.
Und dann kam halt unser Label an und hat uns erzählt, dass es eine Anfrage von einer Bookin-Agentur in Amerika gab, die uns eben mit auf die “Vans Warped Tour” nehmen wollten. Als wir das gehört haben sind wir wirklich aus allen Wolken gefallen, haben alles stehen und liegen lassen, sind sofort dort hin geflogen und haben mitgemacht.
Also ist damit quasi ein Traum in Erfüllung gegangen?
Hannes: Ja auf jeden Fall! Das war echt ein kleiner Jugendtraum, der da in Erfüllung gegangen ist.
Was war denn euer Highlight in den Staaten?
Hannes: Es ist echt schwer da jetzt einen ganz bestimmten Moment herauszupicken, aber es gab immer wieder solche Highlight-Momente. Was uns beide total geflasht hat war das Zusammengehörigkeitsgefühl. Es sind dort 80 Bands, darunter auch Bands, die wir mit 14 oder so gehört haben, und die reisen dort alle in einem riesigen Konvoi, fast wie ein Freakzirkus, durch Amerika. Dennoch leben dort alle wie eine riesengroße Familie. Jede Nacht nach den Konzerten gab es eine große After-Show Party und am ersten Abend standen wir dort mit diesen bekannten roten Amerika Bechern und um uns herum standen die Helden unserer Jugend! Das war so der Moment wo wir dachten “Krass! Wie sind wir hier gelandet?”.
Gewöhnt man sich dann nicht nach ein paar Abenden an dieses Gefühl?
Hannes: Es geht eigentlich. Wir dachten uns jeden Abend immernoch “Boah wie krass!”. Es gab ja auch jeden Tag etwas neues zu erleben und zu sehen.
Was ist bei Konzerten in den USA denn anders als hier in Deutschland?
Hannes: Da wir jeden Tag ja quasi ein Festival und kein richtiges Konzert gespielt haben, kann ich das schlecht vergleichen. Wir wussten ja auch, dass uns in Amerika keiner kannte. Hier in Deutschland können wir in jeder Stadt ungefähr abschätzen, wie viele Leute zu unseren Auftritten kommen. Da war es jedoch so, dass wir jeden Tag um frisches Publikum kämpfen mussten. Wir haben einfach gespielt und wer vorbei gekommen ist oder von uns vorher gelesen hat, der hat anscheinend Bock. Wenn man die Leute aber erst einmal auf seiner Seite hatte, dann waren die auch sehr euphorisch, haben uns super offen empfangen und sich auch total durchgedreht. Viele sind danach auch an den Merchandise Stand gekommen und wollten Fotos mit uns machen oder Autogramme haben. Das war auch krass für uns.
Anderer Kontinent, aber bestimmt genau so spannend: Ihr tretet ja dieses Jahr beim Sziget Festival in Budapest auf. Ist das für euch auch nur ein ganz normaler Festivalauftritt oder ist es doch etwas besonderes bei diesem Festival auftreten zu dürfen?
Hannes: Ne das ist schon abgefahren. Konzerte im Ausland sind generell etwas besonderes und das Festival ist auch einfach geil. Man kennt das Sziget halt schon ewig, weil das eben so eine Riesennummer ist und es dafür bekannt ist, dass es eine riesige Party ist. Und deswegen sind wir auch da ziemlich euphorisch und denken uns “Geil!”. Es ist definitiv also kein Auftritt wie jeder andere.
Worauf freut ihr euch denn dabei am Meisten?
Hannes: Also wir müssen leider am selben Tag wieder abreisen und haben deshalb gar nicht so viel Zeit dort großartig abzuhängen. Wir freuen uns aber darauf in so kurzer Zeit wie möglich so viele Menschen wie möglich kennen zu lernen. Ich würde mir zwar auch sehr gerne viele andere Bands dort angucken, aber das geht leider nicht.
Was steht nach den Festivalauftritten und dem Plattenrelease noch an?
Hannes: Also im Oktober spielen wir einige Releasekonzerte für unsere Platte. Das wird dann quasi unsere Tour sein, bei der wir die neuen Lieder auch ins Liveset einbauen und das reizen wir dann solange aus, bis uns auch dieser Kram wieder zum Hals raushängt. Und dann machen wir ein neues Album.
Mal eine allgemeine Frage: Was war dein Highlight als Musiker bisher?
Hannes: Eine sehr schwierige Frage. Ich würde sagen zum einen war es ganz klar die Amerika Tour, die für immer in unseren Köpfen bleiben wird und uns für immer geprägt hat. Das war echt mein Highlight. Ansonsten würden mir da nur kleinere Sachen einfallen. Wenn zum Beispiel jemand zu dir kommt und dir sagt “Ich höre eure Platte seit 2 Jahren jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit” oder ähnliches, dann ist das auch schon ein krasses Gefühl, weil man damit positiv in das Leben fremder Leute eindringt. Das sind für mich auch sehr tolle Momente.
Die Frage zum Abschluss: Was verbindet ihr besonderes mit Hamburg? Außer, dass Hamburg die Heimat eures Labels ist.
Hannes: Hamburg war die erste Stadt, in der wir außerhalb unserer Heimat gespielt haben. Damals wussten wir noch nicht einmal, ob wir das wirklich ernst meinen mit der Musik. Deswegen sind wir immer, wenn wir nach Hamburg kommen ein bisschen wehmütig, weil es uns an unsere Anfangszeit erinnert. Wir sind damals hierher gekommen, um als Vorband von Bratze zu spielen. Gleich in unserer ersten Nacht in Hamburg haben wir zudem sehr viele Leute kennen gelernt, deren Musik wir gefeiert haben. Durch einen dummen Zufall saßen wir am Ende des Abends mit Tomte und den Jungs von Herrenmagazin in einer Kneipe. Das war für uns damals eine völlig neue und verrückte Welt und jedes Mal, wenn wir nach Hamburg kommen kommt dieses Gefühl wieder hoch.
Interview: Felix Höger
