livekritik.de präsentiert den Chor des Monats Oktober:

Heißer Monat. Auch wenn zu Beginn bereits erste Schneemeldungen aus dem Süden Deutschlands vermeldet wurden. In den Hamburger Clubs juckt uns das nicht. Dort haben wir wieder Einiges erlebt.


*** East Cameron Folkcore (1.10., Molotow) Das neueste Kind im Grand Hotel van Cleef-Stall tourte erstmalig durch die Republik und hinterließ landauf, landab strahlende Gesichter. Kurz nach dem Auftritt beim Reeperbahn Festival gab es im Molotow noch diese Gratis-Zugabe mit dem selben Effekt: Lauter glücklich strahlende Gesichter. Im Publikum und auf der Bühne. Was für eine tolle Band! (nsc) *** Dirk Darmstaedter (3.10., Rialto Lichtspiele) Dirk machte sich in diesem Jahr auf den Bühnen so rar, wie es das Rialto leider ab sofort auch tut. Bei seinem einzigen Hamburg-Konzert in 2013 bot er, in Begleitung von Gitarrist David Rieken, Songs & Geschichten der letzten 25 Jahre in morbid-kuscheligem Ambiente dar und brachte dem Publikum den „Frank Sinatra-Applaus“ bei, den es von da an dankbar bei fast jedem Song intonierte. 2014 kommt die neue Platte und damit sicher auch wieder mehr Auftritte. Das Rialto bleibt leider geschlossen. (nsc) *** EF & Nihiling (5.10., Haus III&70) Während man sich so durch den Support geschleppt hat, der zwar nicht schlecht, aber auf den man nicht sehnsüchtig gewartet hat, kämmten im Backstagebereich die Schweden sicher schon ihr Brusthaar und ölten ihre Gitarren…äh nein, melodiöse Postrockperlen par excellence, inklusive Screamen. Voll das Brett (für Mädchen wie mich). (ms) *** HIM & Caspian (6.10., Große Freiheit 36) Die wenig überraschend großartigen Post-Helden von Caspian brachten überraschend viele HIM-Fans in der ausverkauften Freiheit zum begeisterten Staunen. Ebenso wenig überraschend zockten HIM gut gelaunt und genügend motiviert ein souveränes Best-Of-Set, das einfach mal Spaß machte. Fans und ihren Begleitungen. (mf) *** Bela B. mit Peta Devlin & Smokestack Lightning (6.10., Imperial Theater) Vollgestopft mit kreischend barbusigen Fans, Selbstverliebtheit deluxe, zu spät angefangen. Trotzdem überzeugte Bela B. wieder einmal, wenn auch fast mehr mit Peta Devlin, die ihn seit dieser Tour begleitet. (tk) *** Bela B. mit Peta Devlin & Smokestack Lightnin (6.10., Imperial Theater) In einem gemütlichen Rahmen ein gemütliches Countrykonzert. Hier hat einfach alles perfekt gepasst, vor allem zwischen den Künstlern und dem Publikum! (fh)

*** Jonny Lang (8.10., Fabrik) Das ehemalige (1997) US-Wunderkind des Bluesrock muss sich auf seiner Comeback-Tour mächtig strecken angesichts der heutigen Hypes von der britischen Insel. Tut er auch in jeder Hinsicht. Musikalisch ist das lange Zeit ausreichend packend. Die zur Schau gestellte Gesichtsakrobatik hinterlässt zudem einen Gesamteindruck zwischen Bryan Adams und Herbert Grönemeyer. Mit einer Band, die etwas mehr als Dienst nach Vorschrift lebt, wäre allerdings noch mehr drin gewesen. (kel) *** Pele Caster (8.10., Hanseplatte) Manchmal fragt man sich schon, was in letzter Zeit in dieser Stadt los ist und warum einige Konzerte so schlecht besucht werden. In der Hanseplatte war an diesem Abend fast Familientreffen, was aber nichts daran änderte, dass wir Zeuge eines tollen Konzertabends mit Pele Caster samt Band wurden und sich das Publikum sogar von Kleidungsstücken trennte, um weitere Zugaben einzufordern. (nsc) *** Town Of Saints (10.10., Hörsaal) Endlich das erste Album im Gepäck und somit einen ordentlichen Grund zu feiern. Selbst ein paar zufällig vorbeilaufende Touristen finden den Weg in den Hörsaal und sind sichtlich angetan. (dr) *** I am Oak & Town of Saints (10.10., Hörsaal) Etwas verloren wirkt Thijs Kuijken aka I am Oak ja auf der Bühne, wenn er versucht mit seinen Ansagen das Publikum zu erreichen. Dazwischen spielte er aber recht hübsche, ruhige Songs aus seinem Oeuvre. Town of Saints hingegen spielten ihr Warm up vor der Record Release-Tour im heimischen Holland an diesem Abend voller Inbrunst, und nahmen große Teile des Publikums mit auf den Weg. (nsc) *** Golden Kanine, Grant Creon und Bring The Mourning On (12.10., Hasenschaukel) Die Lieblingsschweden aus Malmö hatten zum Releasefest von “We Were Wrong, right?” geladen und dazu ihre liebsten Freunde und sogar Familien mitgebracht. Das führte zu wilden Zuprostereien mit Ande-Papa und Linus-Frau. Für uns alle spielten sie ihre geballte Ladung GK9-Songs, vorwiegend aus Songs des ersten Albums bestehend. Wilde Jubeleien folgten und später wurde ebenso wild getanzt und blieb keine Kehle trocken. Tack så mycket! (ms)

*** Bondage Fairies (16.10., Molotow) Schon wieder Schweden im Molotow, allerdings ganz anders. Gameboy-Sounds, laute Gitarren, die gewohnten Helm-Verkleidungen und jede Menge alte Hits. Sogar “Wurst und Käse” wurde (sehr hartnäckig) erfolgreich erbettelt! (eh) *** Daniel Norgren (17.10., Molotow) In love mit kauzigen truckermäßigen langhaarigen Schweden, die das (musikalische) Herz am richtigen Platz haben. Nur das sich gegenseitig bekifft fotografieren habe ich an diesem Abend leider nicht verstanden, werde ich auch nie. (ms) *** Daniel Norgren (17.10., Molotow) Anfang des Jahres hat er noch als Support vom Tallest Man on Earth vollends überzeugt. Darum ist das Molotow auch brechend voll, um dem sympathisch-bodenständigen Daniel mitsamt Vokuhila-Kontra-Bassisten zu lauschen. Mal traurig, mal ruppig haut der den Blues in bester Howlin’ Wolf/Tom Waits-Manier raus. “Whatever Turns You On” wartet nur darauf vom Mainstream entdeckt zu werden! (gs) *** Oscar and the Wolf (18.10., Passion Victim Vol 4, Knust) Ach, da waren auch noch andere Bands? Sorry, für mich persönlich verblassten Snorri Helgason und The Sweet Serenades neben der Darbietung der fantastischen Oscar and the Wolf beim vierten Passion Victim so sehr, dass ich den Ort frühzeitig verließ, um den Eindruck, den die Band kurz zuvor hinterlassen hat, einzutüten und noch ein wenig mit mir herumzutragen. Beseelt & Glücklich. (nsc) *** PASS!ON VICTIM mit Snorri Helgason, Oscar and The Wolf und The Sweet Serenades (18.10., Knust) Herzensangelegenheit! Erst träumen bei den putzigen Isländern die den Abend mit ihrem SingerSongwriterherz einläuteten. Glücklich getaumelt bei den wunderbar sympathischen Oscar and the Wolf, die mit allerlei Glitzer und Sport die Menschen zum Strahlen gebracht haben. Und zu allerletzt brachten die schwedischen Serenaden die Menschen zum Tanzen mit ihren fröhlichen Songs über sexuelle Frustration und zu viel Liebe. Herrlich herzig und herzlich dieser Abend!!! (ms) *** Olli Schulz & Bernd Begemann (19.10., Fliegende Bauten) Der erste von zwei Abenden zu Ollis 40.Geburtstag. Die beiden Rampensäue Bernd & Olli verhafteten uns „wegen sexy“, sangen uns die wahre Geschichte der „10 Beatles aus Kanada“, brachten und das „Kelly Family Feeling“ und als Gäste auch noch Heinz Strunk und Thees Uhlmann. Als Bernd am Ende „Komm zurück, Olli Schulz“ sang (weil dieser seit Jahren in Berlin lebt), konnte man kleine Tränchen der Rührung in Ollis Gesicht sehen. (nsc) *** Parquet Courts (19.10., Molotow) Die Garage Punk Band aus New York hüpfte gegen 1 Uhr nachts auf die Molotow-Bühne, die dank neuer Anlage plötzlich viel grösser aussieht, seit die Boxenständer verschwunden sind und man nicht mehr weiß, wo man sein Bier abstellen soll. Solide, schweißtreibende Feierei mit den vier Brooklyn Boys. (nsc) *** Zebrahead (20.10., Markthalle) Jetzt kann ich endlich auch verstehen, wieso diese Band oft und gerne für Festivals gebucht wird. Echt eine spaßige Truppe mit einem super spaßigem Auftritt. (fh) *** Olli Schulz + Bernd Begemann (20.10., Fliegende Bauten) Da haben sich ganz offensichtlich zwei gefunden. Geschlagene 3 Stunden werden wir von Olli und Bernd unterhalten und es ist keine Minute langweilig. Der Abend ist durchaus konzeptionell gehalten mit z. B. “Lieder übers Autofahren” oder “good time songs”. Highlights sind aber zweifelsohne “10 kleine Beatles” und “Verhaftet wegen sexy”. (dr)

*** Mighty Oaks (21.10., Sprechwerk) Welch Triumph, erste Headlinertour und der Tourstart direkt ausverkauft. Die Band freut sich sichtlich darüber und begeistert mit ihrer sympathischen Art. Musikalisch schon jetzt ganz großes Kino und dabei ist noch nicht mal ein Album erschienen. (dr) *** Kat Frankie (22.10., Kampnagel) Wie immer, tolles Flair im großen Saal des Kampnagel. Die Stimme von Kat hallt durch den Raum, in ihren neuen Stücken steckt etwas R’n’B und Soul, was denen ganz gut steht. Sie, wie immer zauberhaft. Verschroben schön der Support, ihre E-Gitarristin, die allerlei Geräusch auf merkwürdigen Instrumenten machte. (ms) *** Radkey (22.10., Knust) Drei blutjunge Brüder spielen fesselnden Punkrock alter Schule. Auf der Bühne pure Rampensäue, nach dem Konzert schüchterne und liebenswerte Jungs aus dem amerikanischen Midwest. Bei all der Spielfreude gönnt man ihnen den Erfolg, egal wie lange er andauert! (gs) *** The Dillinger Escape Plan (23.10., Knust) Hm. Klettersport fiel aus, dafür schwangen sich Greg Puciatos Hardcore-Melodien, zumindest gefühlt, in fast elegische Höhen während der zweiten Konzerthälfte. Dahinter ein Backdrop für eine Bühnenklasse höher, reichlich Videogedöns und natürlich grelle LED-Fluten. Beinahe heller than loud. Quasi. (kel) *** Dillinger Escape Plan, maybeshewill, The Hirsch Effekt (23.10., Knust) Drei tolle Bands am Stück. The Hirsch Effekt teilen sich die Bühne mit ihrer absoluten Lieblingsband und diese Nervosität merkt man ihnen an. Kurzes, krachiges Set, aber auch der Sound war nicht ausgewogen. maybeshewill hingegen spielen ihren instrumentalen Sound so dermaßen souverän und schön, dass viele Köpfe anerkennend mitwackeln. Es mehren sich lauthals die Fragen nach der Schreibweise des Bandnamens. The Dillinger Escape Plan mähen im Anschluss erwartungsgemäß alles nieder. Publikum rastet aus, Band ist gut drauf, der Sound sitzt. Wahnsinnig guter Wahnsinn! (gs)

*** Miles Kane (24.10., Knust) Wann erlebt man denn noch Konzerte, bei denen im Freudentaumel diverse Bierflaschen am Boden zerschellen? Was Miles Kane hier ablieferte, war schlichtweg großartig. Alle bisherigen und zukünftigen Hits („Rearrange“, „Come Closer“, „Inhaler“, „Taking over“, „Better than that“ undundund..), dargeboten in einer beeindruckenden Spielfreude, lediglich begleitet von der Frage, warum der Mann hierzulande keine riesigen Hallen füllt, wie es zuhause in UK längst der Fall ist. (nsc) *** Miles Kane (24.10., Knust) Aufgehorcht. Der Knabe strotzt nur so vor Rock’n’Roll, die Attitüde stimmt, der Sound ist fett, Dargebotenes hat Hitpotenzial. Wer braucht schon die Arctic Monkeys oder die Gallaghers dieser Welt. Hier kommt Miles Kane, Ladies and Gentlemen! *** Everlast (24.10., Fabrik) Gestern in Münster sprang der Funke wohl nicht über. Auch hier in der Fabrik pflaumt Everlast zu Anfang noch einen Fotografen an und ermahnt das Publikum, nicht zu rauchen. Doch mit jedem Stück wirkt er gelöster und das Publikum feiert nahezu alles ab. Auch sein ultracooler Tastenmann spielt sich zusehends warm. Man merkt wie viele tolle Songs Everlast eigentlich hat und ja er spielt so Hits wie “What it’s like” und “White Trash Beautiful”. Am Ende sind alle glücklich und beseelt! (gs) *** Nils Petter Molvaer & Moritz von Oswald (25.10., Überjazz Kampnagel) Molvaers flatternde und schwebende Improvisationen bleiben unerreicht. Seine Begleitmusiker aus Zeiten von “Khmer” live leider auch. (kel) *** Editors (25.10., Docks) Frei nach Propagandhi: Less Talk, More Rock. Die Editors spielten sich fast zwei Stunden durch eine erschreckend hohe Dichte an Hits und überließen das Reden lieber der Demo vor dem ausverkauften Docks. (mf) *** Editors (25.10., Docks) Profis bei der Arbeit. Die Editors wissen genau, wie sie ihr Publikum bekommen und haben eine beeindruckende Palette an Hits abzufeuern, was natürlich auch geschieht. Dazu ist Tom Smith mehr und mehr zum pathetischen Poser geworden, was zum Glück aber noch immer sympathisch rüberkommt. Ganz toll am Ende die fast 10minütige Version von „Papillon“, mit Joy Division-Gedächtnisbasslauf, inklusive Peter Hook-Pose. Super. Notiz ans Docks: Die Lüftung könnte man gerne mal früher einschalten. (nsc) *** Brandt, Brauer, Frick (25.10., Überjazz Kampnagel) Unfassbar gut. Unfassbar elekrtrisierend. Unfassbar, dass 90% der Zuschauer immer noch saßen. Unfassbar höfliches Überjazz. (hes)

*** Half Moon Run (26.10., Mojo Club) Verlegt vom Molotow ins Mojo, der Hype lässt grüßen. Aber zurecht, tolle Melodien und spätestens bei “Full Circle” gibt’s kein Halten mehr. (dr) *** Die Goldenen Zitronen (26. 10., Gruenspan) Kraft aus Missständen ziehen können die “Goldies” noch immer am allerbesten. Im Turnschuhgalopp den Ausweispflichten gegenüber Olaf gerecht geworden. “ICE Bertholt Brecht” in der ultimativen Livezerstörung und die gesamte Band wirkt so frisch wie tanzende Stürme. Bitte wichtig bleiben. (kel) *** Jay Z (27.10., o2 World) Dicke Hose statt enges Höschen! Wenn Mr. Show Business ein Konzert gibt, dann wird natürlich geklotzt und nicht gekleckert. Das Derbste vom Derben und Heftigste vom Heftigsten. Geld spielt schließlich keine Rolex. Manchmal hätte es gern etwas mehr Konzert und etwas weniger Show und Theatralik sein dürfen, aber was soll’s… Es war schließlich “Big Pimpin'” angesagt. Hustlers, Bitches, fette Ami-Show, Timbaland, Bling Bling… alles da. Und wie war’s? Leider geil! (kw) *** KMPFSPRT, Idle Class, Kazimir (29.10., Hafenklang) Kazimir legen zurückhaltend, aber nicht schüchtern los und sind saugut. Idle Class drehen den Schalter auf laut und sind hart und auch saugut. Und KMPFSPRT zeigen dann, warum sie zu Deutschlands Besten gehören, servieren alte EP-Songs und Lieder vom kommenden Album. Und sind dabei sogar saubesser. (mf) *** Friska Viljor (29.10., Uebel & Gefährlich) Die Hits ließen auf sich warten, aber sie stimmten mich am Ende versöhnlich mit 3 Zugabenblocks, die zusammen fast genauso lange dauerten wie das eigentliche Konzert. Unvergessen der Publikumschor um Friska Viljor noch ein letztes Mal für “Shotgun Sister” auf die Bühne zu holen. (dr) *** Tegan and Sara (30.10., Docks) Was für eine Veränderung. Von ursprünglich reduzierter Akustikgitarrenmusik bis zu mainstreamartigen Elektro-Pop-Songs. Leider spielen sie auch die alten Lieder im neuen Gewand und wissen auch nicht mehr so gut zwischen den Songs zu unterhalten wie in den 13 Livejahren zuvor. Schade drum. (dr)

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