livekritik.de präsentiert den Chor des Monats: Dezember. Jahresabschluss 2013. Es wurde langsam besinnlicher, aber noch immer nicht ruhiger. Hier unser Rückblick.
*** Villagers (1.12., Stage Club) Der Dezember beginnt mit einem Anwärter auf das Konzert des Jahres. Gab es vorher aufgrund der Location noch gewisse Zweifel, lassen Conor O’Brian und seine Mitstreiter diese schnell verfliegen und liefern das für mich beste (von 4) Villagers-Konzert in diesem Jahr ab. Das war nah an der Perfektion. (nsc)
*** Biffy Clyro, Walking Papers (2.12., Sporthalle) Der dritte Besuch innerhalb eines Jahres. Und die größte Leistung. Denn unsere drei Lieblingsschotten machten sogar die hässlichste Halle zum schönsten Ort der Stadt. Und wenn vorher auch noch ein paar Legenden eröffenen und Biffy später “57” zocken fühlt es sich ein bisschen wie Weihnachten an. (mf) *** The Black Atlantic (4.12., Haus III&70) dunkelschummrig, nur mit einer Stehlampe halbwegsbeleuchtet spielt Geert diesmal Solo – dafür aber Stücke von allen Veröffentlichungen und erzählt nebenher noch Geschichtchen aus seiner Kindheit. Heimelig! (ms) *** The Black Atlantic (4.12., Kleiner Donner) Der Keller vom Haus 73 heißt jetzt Kleiner Donner und The Black Atlantic sind derzeit ein Soloprojekt. Der Ex-Keller ist nun holzgetäfelt und in dieser Atmosphäre kommt fast Lagerfeuerromantik auf, wenn Geert van der Velde zwischen den auf Piano, Gitarre und Mandoline dargebotenen Songs, immer wieder Geschichten und Anekdoten erzählt. Hübsch, trifft es wohl ganz gut. (nsc)
*** Captain Capa (6.12., Molotow) Audiolithkonzerte sind ja immer irgendwie anders! Weit entfernt von stocksteif rumstehenden, gelangweilt aussehenden Indienerds. Da wird gehüpft, mitgesungen, Geschenke für die Band gebastelt, sich in Pokemon-Kostüme geschmissen um einen guten Abend zu haben. Während ich stocksteif und gelangweilt aussehend auf der Couch neben der Bühne saß, habe ich versucht, meine Bewunderung für die Band und ihr freudiges Publikum zu verbergen. Hat nicht geklappt. (ms) *** Scott Matthew (8.12., Kampnagel) Wenn der Rotwein seinen Teil dazu tut (beim Künstler) und die Sex Pistols im Cover plötzlich nach Arcade Fire-Durchdiedeckegeher klingen (bei mir), ist genug gesagt für den Sonntagabend. Tatort hätte kruder nicht sein können. Und knutschende Pärchen sind Teufelswerk. Und gezückte TELEFONE E R S T R E C H T, ihr Foto-Nazi-Penner! (kel) *** Scott Matthew (8.12., Kampnagel) Die Stecknadel hätte fallen können, sie hätte das Trommelfell vermutlich platzen lassen, so still war es in den Songpausen, es sei denn Scott hat gekichert. Wie immer sehr bewegend, glücklicherweise nicht nur ein Cover-Abend, sondern auch all die Songschönheiten seiner letzten Alben. Noch schöner wäre ein Privatständchen im eigenen Wohnzimmer gewesen, dann hätte man nach diesem Abend nicht raus in den Nieselregen gemusst. (ms) *** OK Kid (9.12., Knust) Sie waren eine der Dauerrotationen für mich in diesem Jahr, im Sommer hatte ich sie dann überhört und nun? Bühnenpräsenz, an Jonas’ Lippen hängendes Publikum (z.B. ich), inklusive Händewaven, einem kleinen fast missglücktem Crowdsurf aber auf jeden Fall für mich eines der überraschend guten Konzerte dieses Jahres! Top 10! (ms)
*** Vögel Die Erde Essen (10.12., Molotow Bar) Es war laut, es war Punk, es war Rock, man weiß eigentlich nicht so genau was es war. Aber Spaß hat es gemacht, auch wenn keiner nackt war und der Sänger aus Berlin statt Französisch englisch sprach. (eh) *** Tocotronic (12.12., Uebel&Gefährlich) Fünfundzwanzig Jahre? Echt jetzt? Meine Güte! Erfreulich krachiger Abend von den Tocos, die sich nicht auf dem eher ruhigen Sound von “Wie wir leben wollen” ausruhen, sondern mächtig mit der Lautstärke spielen, gestört nur von ein paar Besuchern, die wohl noch vom Scooter-Konzert übrig waren. (nsc) *** La Stampa / Chris Garneau / Kante / Turbostaat / Damo Suzuki (13.12., Clouds Hill Festival) La Stampa – wundersam verquerer Pop / Chris Garneau – wundervolle Atmosphäre vor wirklich stillem Publikum / Kante – wunderprächtige Experimentierlaune, Vorfreude auf das neue Album / Turbostaat – wunderbarer Lärm / Damo Suzuki – wundersame Ekstase, aber nichts für den CN-Schreiberling. (nsc)
*** Madsen (14.12., Molotow) “Like A Rolling Stone” covern, Thees Uhlmann auf die Bühne holen, die Hütte in Adrenalin tunken und am Ende traurig vorm Molotow sitzen. Als alle Lichter gerade an waren, gingen die wichtigsten aus. (kel) *** Lydmor (14.12., Tide TV Studio) Die dänische Künstlerin erst verträumt am Piano, danach bratzig mit Rechnerunterstützung und durch allerlei Effektbänke gedreht, dabei immer irrsinnig charmant und einnehmend. Davon will und werde ich noch viel mehr sehen. (nsc) *** Tonbandgerät (14.12., Große Freiheit 36) Eben noch im Minilädchen, jetzt auf der ganz schön großen Showbühne. Toll, was in so kurzer Zeit mit den vier Geräten passiert ist und wie gut sie sich auch auf der großen Bühne zu geben wissen. Fast möchte man nicht weiterdenken, was da als nächstes kommen wird. (nsc) *** Luke Leighfield (14.12., Hasenschaukel) Party war angesagt, Hasenschaukelgeburtstag!!! Leider haben auch die Menschen in nächster Nähe der Bühne (mit dem Rücken zum Sänger) laut gequatscht, wie fast die ganze Schaukel. Hoffentlich ist der Herr aus England das gewohnt und war nicht ganz so traurig. Aber meine große Träne in Form eines rosa Luftballons hängt noch bei mir an meiner Wand (ms)
*** Madsen (15.12., Logo) Richtig schweinegeil war gestern, heute ist es nur super aber dafür ist Porky zu Gast auf der Bühne. Und später Sven Bünger im Gänsehaut-Duett mit Sebastian Madsen. Nicht unerwartet macht der “Goodbye, Logo”-Kalauer die Runde. Der Molotow-Schatten liegt aber eben doch ein wenig über dem kalten Sonntagabend. (kel) *** Madsen (16.12., Knust) Tonbandgerät eröffnen, der FC St. Pauli klettert auf Platz 3 und Madsen tun das, was sie selbst mit einem nicht ganz so guten Album am besten können: Den Saal zerlegen. Wer an eine lahme Promotour gedacht hat, muss nach den ersten drei Abenden seine Meinung gründlich revidieren. Spielfreude? Nee, Madsen haben mal richtig Bock. So geil, dass selbst Gäste wie König Boris oder Bosse fast verblassen. (kel) *** Delikatess Fest #1: Paula & Karol / Findus / Herrenmagazin (17.12., Knust) Liebhabefaktor erhöht bei den putzigen Paula & Karol, die mitreißenden Folk machen … die hatten alle Spaß. Energiegeladen auch die Jungs von Findus, die einige Stücke ihrer kommenden Platte vorstellten. Nur war die Stimmung im Publikum nicht so mitgerissen, wie ich es eigentlich schon früher mal bei einem Findus-Konzert erlebt hab. Herrenmagazin waren dann wie eh und jeh zynisch sarkastisch und zwischen den Ansagen auch musikalisch. Doch auch da wollte der Funke nicht ganz überspringen, wie er damals zur Release-Show im Molotow die Bude zum Brennen gebracht hat. Aber vielleicht lag das ja genau daran, an der Molotow-Stimmung. Trotzdem ein schöner Abend, mit schönen Menschen! (ms)
*** Madsen (18.12., Gruenspan) Montreal eröffnen und sind halt … Montreal wie eh und je. Ohne Ausschlag nach oben oder unten. Den haben eher Madsen, denn “Labyrinth”, sagen wir mal wie es ist, bleibt einfach ein mindestens nicht so geiles Album mit eingebautem Stotterstart und einigen Längen. Da stößt selbst die 120prozentige Spielfreude an ihre natürlichen Grenzen. Gleichwohl die Kühlschränke denn das Bier ist durchgehend warm. Trotzdem guter Abend. (kel) *** Exit Calm (18.12., Grüner Jäger) Erster Eindruck: Erstaunlich guter, fetter Sound heute im Grünen Jäger. Zweiter Eindruck: Das Album ist live noch mal ne ganze Spur intensiver. Dritter Eindruck: Der Sänger dürfte gerne mal ein bisschen lächeln. Vierter Eindruck: Die alten Songs können mit den neuen nur zum Teil mithalten. Fünfter Eindruck: Eine fantastische Liveband mit einem fantastischen Album, die ein viel größeres Publikum verdienen würde. (nsc) *** Madsen (19.12., Markthalle) Anzüge, Konfetti, drei Fünftel Superpunk, Johannes Oerding und eine glückselig überschäumende Markthalle vom ersten bis zum letzten Ton. Standesgemäßes Finale der fünf Abende. Kann man so mal machen. Danke. (kel) *** Torpus & the Art Directors (20.12., Knust) Jahresendfeierstimmung mit Torpus und dem Nordfriesen-Clan, als da wären Liedermacher Ponch, Lieblingsstruwwelpeter Game Ove und eben Torpus. Ein fröhlich-erhebender Abend vor vollem Haus, mit Atempause, als Torpus Fink’s “Wenn Du mich suchst” spielen und an Nils Koppruch erinnern. Sehr bewegend. (nsc)
*** Bosse & Freunde (21. 12., Sporthalle) Nach Madsen und Tonbandgerät innerhalb weniger Tage schon die dritte Konfettikanone. Prinzessin Sebastian M. darf mit Bosse “Am Strand” rumspringen, Kim Frank den “Junimond” anheulen und Boy schauen auch vorbei. Am Ende springt die Halle bis in die letzte Reihe wie sonst nur bei Scooter. Alle geschüttelt & gerührt. Demnächst auf DVD. (kel) *** The Shh (21.12., Turmzimmer) Nur 17 handgezählte Besucher verirren sich am Schanzen-Krawallabend ins Turmzimmer, um den Surf-Pop von The Shh zu erhaschen. Charmante Ansagen und ein Fleetwood Mac-Cover können leider nicht davon ablenken, dass The Shh als Duo live zu limitiert in ihren Möglichkeiten sind, um das hübsche Album adäquat auf die Bühne zu bringen. (nsc) *** Young Rebel Set (29.12., Kaiserkeller) Voller, heißer Keller. Young Rebel Set gleich rein ins Konzert mit den guten, alten Hits, irgendwo in der Mitte spielen sie sich warm, inklusive kauderwelschiger Ansagen, die höchstens ein Drittel der Zuschauer halb versteht. Bei der Zugabe dann endlich sowohl auf als auch vor der Bühne kein Halten mehr! (eh) *** Jaya The Cat (30.12., Knust) Wenn die Band Spaß am Rocken und zudem noch eine eigene Bar auf der Bühne hat, ist das eine super Basis für einen urknallmäßigen Jahresabschluss. Das Knust war ausverkauft und alle gemeinsam haben das Abend-Motto “More Christmas drinking with Jaya The Cat” sehr konsequent umgesetzt. (ds)
