Wie klingen eigentlich The Notwist? Und wie entfalten sich die ewigen Vordenker auf dem neuen Album “Close To The Glass”? Nennen wir es mal einen puren Zufall, dass meine Spotify-Playlist gerade neulich vor lauter DJ Shadow-Tracks nur so zu platzen schien. Und schwupps wird das geniale Menschenkind aus dem elektronischen Schattenreich schon direkt im Hause The Notwist als eine der zahlreichen Referenzen (“The Fifth Quarter of the Globe”) für “Close To The Glass” geordert.Doch die Komplexität der Ereignisse lustwandelt und wechselt, dass der rote Faden sich erst lange windet und dann am Ende doch verbindet.

Dass das abwartende Intro “Signals” eigentlich fortan alle Notwist-Konzerte eröffnen und “Kong” im Sommer auf jeder Festival-Wiese zur DJ-Standardausrüstung gehören muss, steht nicht zur Disposition. “Casino” und “Steppin’ In” reduzieren sich derweil unterwegs ins akustische Minimum, “7 Hour Drive” geriert mal stillstehenden, aber dennoch latent unwirschen Lärm und melodeit so selbstgenügsam zwischendrin, als geschehe nichts drum herum. In den dämpfend nocturnen Tagesausklang leitet das unendlich weite Instrumental “Lineri” über, weil das fein ziseliert durchgetaktete, schlaflose “Run Run Run” vorher schon alle Nervenstränge in Beschlag genommen hatte.

Wie all das auf “Close To The Glass” letztlich in die nostalgisch verklärte Notwist-Geschichte einzuordnen sein wird, möge die Zeit entscheiden. Apropos Zeit: Wo haben die nur diesen längst vergessenen 80er-Sample auf “Into Another Tune” hergeholt?  “Close To The Glass” allerdings ist ganz für sich schon jetzt eines der wichtigsten, prachtvollsten und größten Alben 2014. 27. Mai | Laeiszhalle (kel)

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