Dieser Mann hat ein Problem. Genauer gesagt mehrere. Seine Stimme, seine Vergangenheit (und damit ist jetzt nicht die legendäre rote Jeansjacke gemeint), seinen Namen. Denn ob man den Namen Reinhold Beckmann hört oder seine Stimme. Sofort denkt man an Fußball, an den Sportmoderator, an den alten Hasen eben.

Dass der auch singt? Ach kommt schon, muss ja scheiße sein, wollen wir nicht, was will der denn? Und wir dann so: Nö. Denn zwar ist es nicht so, dass sein neues Album „Bei allem sowieso vielleicht“ – erschien am vergangenen Freitag – jetzt ein Meisterwerk ist oder tatsächlich richtig, richtig, richtig gut. Es ist nur gut und damit schon mal mehr als von den meisten erwartet. Denn dem Beckmann nimmt man ab, was er hier macht.

Musikalisch geht es als Beckmann & Band mal in Richtung Lindenberg, mal in Richtung Mey und mit „Das Beste“ es fein jazzig los und später chansoniert er auch noch. Oder anders: Alte-Herren-Musik. Bei allem Respekt. Aber gleichzeitig singt er niedlich freche, manchmal fast schon frivole Texte – „Diese wunderbaren Knacker im Naturdarm / dazwischen rosig, fleischig – Du, mein Schwarm / Gleich daneben bleiche Schweinefüße in Aspik“ (aus „Charlotte“) – und tatsächlich macht es Spaß, sich die Lieder anzuhören. Also so richtig, so ausschließlich, ohne Ablenkung. Und das Beste: Mit der Zeit verschwindet auch der Ball aus dem Kopf. Und die rote Jeansjacke. 28. Oktober | Fabrik (mf)

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