“Du die Schwalbe, wir der Sommer”. So der Titel der Dokumentation des 30. Haldern Pop Festivals, die über ein Crowdfunding finanziert wurde und allen zeigen möchte, was dieses Dorf mit seinem kleinen Festival so einzigartig macht.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Ein Haldern Pop am Niederrhein schon. Auch wenn der Sommer am Freitag der diesjährigen 31. Auflage nach längerer Zeit mal wieder kurz pausierte und der berüchtigte Pop-Regen so gar nicht aufhören wollte. Gäste und Vortragende störten sich nicht daran. Bleiben doch nasse Konzerte länger in Erinnerung, haben ihre eigene Magie und ihren besonderen Charme. In Haldern hat man schon ganze Konzerte im Toilettenwagen verbracht und dort manch einen “in der Not” kennen gelernt, der einen danach durch das lange Haldern-Leben weiter begleitete. “Weißt Du noch?”

Das schönste Auswärtsspiel des Jahres für viele auch aus Schleswig-Holstein und Hamburg. Das zeigten Stecknadel-Ballungsgebiete auf einer Landkarte, die am Samstag aufgestellt wurde. Uns – wie sicher auch jeden anderen – zieht das besondere lineup nach Haldern. Aber dann sind da beispielhaft noch die
Verlässlichkeit, das blinde Vertrauen und die Herzlichkeit der Menschen in diesem Landstrich. Steht doch bei Start des Kartenverkaufs noch kein einziger Act fest. Und in den letzten Jahren gab es sehr bald danach keine Karten mehr. Und immer noch stand kaum ein Künstlername auf der website. Nach und nach werden die Perlen dann in liebevollen Videos bekannt gegeben. “Kenn ich nicht, kenn ich nicht, schon mal gehört. Wow, Patti Smith!” Stefan Reichmann und seine Mitstreiter suchen nach Trüffeln – und finden sie so sicher wie ein Drogenhund ein Tütchen Dope im VW Käfer an der holländischen Grenze.
Apropos. Lieb gewonnene Traditionen werden beim Haldern Pop gehegt und gepflegt. Ansager Hein Fokker (auf dem Foto unten mit Connan Mockasin) ist so eine(r). Der Holländer ist seit über 20 Jahren mit seinem Ankündigungen nicht wegzudenken. Unvergessen sein ungewollt schulterklopfendes “Super gemacht!” nach dem The Kooks-Konzert 2006. Als hätte gerade eine Schüler-Band ihren ersten Auftritt gehabt und es ganz gut hinbekommen.

Traditionen pflegen und Neues charmant einbauen. Am Spiegelzelt wird trotz wiederkehrender Kritik (die langen Schlangen, die begrenzte Kapazität) festgehalten. Die Lage wird dankenswerterweise seit ein paar Jahren durch eine weitere Außenbühne am Donnerstag – plus Leinwand mit Übertragung aus dem Zelt – entschärft. Das ganze Dorf samt Kirche, Tonstudio und Pop-Bar ins Festival integriert. Dazu spontane Gigs im Plattenladen neben der Bar und auf dem Campingplatz. Dort wird dann auch ein Ed Harcourt (Foto) schon mal zu einem ‘Wonderwall sing-along’ genötigt und freut sich am Ende darüber.

Müll. Ein Thema auch in           Haldern. Und auch das ist anders. Während auf den meisten Festivals monströse Mülldeponien entstehen, räumt hier fast jeder ohne Aufforderung seine Reste weg und der Platz sieht am Sonntag fast so grün aus wie am ersten Tag.

Die Vorfreude auf 2015 hat begonnen. In Hamburg und Haldern sagt man Tschüß. Was für uns in diesem Jahr neu war: in Haldern fragt keiner mehr nach, wenn man ein ‘Alster’ bestellt. Und in Haldern sagt man Moin. Auf die Mitfahrgelegenheit an der Lohstraße wartend, kamen ein halbes Dutzend Radfahrer vorbei und grüßten mit eben diesen (unseren!) vier Buchstaben – und es war bereits nach Mittag. Dann einer noch: “Kannste lange warten, hier kommt kein Bus.”

Haldern Pop. Mehr Festival braucht kein Mensch. (dis)

Fotos: U. Steinhoff und T. Karstens

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