livekritiklivekritik.de präsentiert den Chor des Monats: September.

Der Monat September stand voll und ganz im Zeichen des Reeperbahn-Festivals, aber auch drum herum und parallel gab es ein volles musikalisches Programm in unserer liebsten Hansestadt. Was da so alles los war, fasst – wie immer – unser monatlicher Chor zusammen:

Die Höchste Eisenbahn - Tribute to Nils Koppruch*** Nils Koppruch Tribute (2.+3.9., Uebel & Gefährlich + Knust) Zwei Abende voller schöner Musik mit vielen Freunden von Nils Koppruch, z.B. Gisbert zu Knyphausen, Torpus & the Art Directors, Die Höchste Eisenbahn und vielen mehr, die hier in teilweise ungewohnten Konstellationen aufeinandertrafen. Wünschenswert wären ein paar nachdenkliche Momente, mehr Bezug zu Nils Koppruch selbst und Informationen über den Erlös der Abende gewesen, anstatt der permanenten Applaus-Aufrufe in den musikalischen Pausen. Trotzdem zwei feine Abende. (nsc) *** Tom Klose (5.9., Nacht der Clubs/Pooca Bar) Der Blondschopf kehrt mal wieder zurück an den Ort, an dem es quasi begann – Tom Klose, sympathisch wie immer, beschallte den Raum mit neuen und alten Songs und bewarb ganz nebenbei das Crowdfunding für sein neues Album. Den kann man einfach nicht nicht mögen. (mu) *** Touchy Mob (5.9., Nacht der Clubs/Nochtspeicher) Einer der besten Loop-Künstler des Landes zu Besuch in Hamburg. Das Publikum wurde mit einer Weltpremiere (der erste Song auf deutsch) und den gewohnt kauzigen Ansagen beglückt. (mu)

Markus Wiebusch_nsc*** Rockspektakel (5.-7.9., Rathausmarkt) Auch im Spätsommer ist es nicht zu spät für Rocken unter freiem Himmel und mitten in der Stadt. Mit einer Hand am Bier und der anderen in the air gab es dieses Jahr unter anderem Sondaschule, I-Fire, Lord Of The Lost, Wirtz und noch ein Dutzend weitere Bands quer durch die Genres von Rock bis Ragga abzufeiern. Und irgendwie spielt auch das Wetter jedes Jahr aufs Neue mit. So ziemlich. Wir freuen uns dann schonmal aufs nächste Jahr. (ds) *** Marcus Wiebusch (6.9., Knust) Die Releaseparty zum großartigen Video “Der Tag wird kommen“, dem Anti-Homophobie-im-Fußball-Song, war angemessen aufgemacht wie eine Filmpremiere, inklusive rotem Teppich und Fotowand. Dazu spielte Wiebusch selbst Songs seines Soloalbums und ein paar Kettcar-Klassiker, zum Teil in neuem Gewand. In den ersten drei Wochen hatte der Clip mittlerweile über 620.000 Klicks. Toll! Da sehen wir über das leicht verkackte Interview mit Regisseur Dennis Dirksen gern hinweg … (nsc)

Tom Smith - Editors_nsc*** Trümmer / Editors (7.9., Stadtpark) Trümmer durften scheinbar nicht die volle Leistung der Anlage nutzen, wodurch ihr eigentlich guter Auftritt leider etwas unterging. Editors danach mit den ganz großen Gesten, allen Hits, Tom Smiths Akustiksolo inmitten der Zuschauer und einer überragenden Version von “Papillon” zum Ende, die stark an New Order erinnerte. (nsc) *** Editors, Trümmer (7.9., Freilichtbühne Stadtpark) Trümmer sind jetzt zu viert und berocken als Vorband mit professioneller Schüchternheit und geforderter Euphorie. Editors mit Frontmann Smith, der diese Stimme hat. Diese die den Herzschmerz süß werden lässt. Ein gelungener Auftritt der Briten, der das Leiden wieder erträglich macht. Sonnenuntergang und Editors, Sonntagabend deluxe. (tk) *** Amanda Rogers (10.9., Fundbureau) Es ist einfach unfair, warum Tori Amos, Regina Spektor oder Fiona Apple große Hallen füllen (letztere zumindest in den USA), während eine Künstlerin, wie Amanda Rogers im kleinen Fundbureau spielen muss und ihre wunderschönen Songs immer wieder vom Geratter der darüberrauschenden S-Bahn untermalt werden. Dabei hat sie alles, was das Musikliebhaberherz begehrt: Vielfältige Melodien, tolle Texte und eine einnehmende Bühnenpräsenz. Andererseits würde man den genannten Damen wohl nicht mehr so nahe kommen, wie Frl. Rogers hier und von daher darf sie auch die nächsten 10 Jahre ein Geheimtipp bleiben, während der Mob sich aus der 40sten Reihe Tori Amos anguckt und dafür viel zu viel Geld bezahlt. (nsc)

*** Blumfeld (12.9., Markthalle) Ich weiß, ich mache mir damit nicht gerade Freunde, aber man soll ja ehrlich bleiben: Mich haben Jochen Diestelmeyer und seine alten Mitstreiter an diesem Abend nicht gepackt. Im Gegenteil wirkte die Performance auf mich von Song zu Song öder, die Ansagen dämlicher und das permanente Rumgerotze auf der Bühne von Diestelmeyer einfach nur widerlich. So sehr, dass es einer der wenigen Abende wurde, an dem ich vor den Zugaben gegangen bin. (nsc) *** Blumfeld (12.9., Markthalle) In Originalbesetzung wie zu L’Etat et Moi Zeiten bieten die drei Hamburger alles was an Musikliebe geboten werden kann. Der Preis für das schickste Hemd des Monats geht an Jochen Distelmeyer. Die Gitarre geht wie immer unter die Haut, der Bass ins Herz, das Schlagzeug in die Beine. Danke. (tk) *** Smoke Fairies (14.9., Knust Bar) Nur selten kommen die Smoke Fairies zu uns aufs Festland und es ist ein bisschen schade, dass sie ihren für grössere Bühnen gedachten Sound, vor so wenigen Besuchern, auf einer kleinen Bühne, zelebrieren müssen. Sie taten es mit Würde und deutlich rockiger, als man es von ihren Alben erwartet hätte und so bekamen wir einen guten Konzertabend serviert. (nsc)

Smoke Fairies_nsc*** Rhodes (19.9., St. Pauli Kirche, Reeperbahnfestival) Für diesen Mann aus Islington hat sich das Warten von drei Stunden gelohnt. Alleine mit seiner Gitarre und einer Stimme, die Gänsehaut und Herzklopfen verteilt steht er da. Damit machte er auch die quasseligen Besucher in der proppevollen Kirche sprachlos. Come back soon, Rhodes. (tk) *** Masked Intruder (21.9, Hafenklang). Vier maskierte Punkrocker und ein Polizist auf der Bühne, eine euphorisierte Meute davor. Die vielleicht beste Poppunk-Band der Welt war mit dem vielleicht besten Poppunk-Album des Jahres in der Stadt. Dazu gab es „Linoleum“ von NOFX, singende Zuschauerinnen auf der Bühne bei „Heart Shaped Guitar“ und am Ende das sicherlich beste … genau. (mf)  *** We Were Promised Jetpacks (24.9., Uebel & Gefährlich) Aus der Kategorie: Warum man immer die Vorband angucken sollte. WWPJ-Support Fatherson klingen wie die Kings Of Leon es hätten tun können, wenn sie nicht eine blasse Pop-Kopie ihrer selbst geworden wäre. Und auch die Jetpacks selbst wissen immer noch zu überzeugen. Neues Album fetzt! (mu) *** Neonschwarz (26.9., MS Stubnitz) Stubnitz muss bleiben. Die Release-Party zum Neonschwarz-Album war wieder einmal der beste Beweis: Auf dem Schiff läuft’s einfach. Zeckenrap, linker Hip Hop – nenn’ es wie du willst, aber bei Neonschwarz stimmt die Mischung zwischen Spaß und politischer Message. (mu)

*** Dirk Darmstaedter (26.9., Michelle Records) Andere Musiker machen dicke Releaseparties, Dirk feiert lieber bei Michelle Records. Er erzählt Geschichten von Pianos, auf denen Otto Waalkes gespielt und The Band-Alben aufgenommen wurden, von Bonnie Riatts Keyboarder und seiner Liebe zu den Bay City Rollers. Dazu präsentiert er die Songs seines sehr guten Albums “Before we leave” in Solo-Akustikversionen. Vielleicht etwas viel neues Material für die, die die Platte noch nicht gehört hatten, aber sehr kurzweilig und unterhaltsam dargeboten. Am 23.10. spielt Dirk übrigens eines seiner seltenen Konzerte mit kompletter Band im Knust. Geht da mal hin! (nsc) *** Talented Musikwettbewerb Bundesfinale (26.9., Gruenspan) Von Michelle aus direkt weiter auf den Kiez und den Nachwuchs anhören. Eine erstaunlich große Bandbreite, musikalisch, wie auch qualitativ. Während sich die Meinung des concert-news-kritzlers über den Sieger, die Band Roast Apple aus Niebüll, mit der Meinung der Jury deckt, hätte er die Plätze 2 + 3 gern an die Hamburger Kialla und die Kölner Timefool vergeben, aber das ist natürlich rein subjektiv. Gratulation an Roast Apple! Als Bonus spielten unsere Lokalmatadoren vom Tonbandgerät noch ein paar Songs, denen wir an dieser Stelle auch zu ihrem 5. Platz beim Bundesvision Song Contest gratulieren! (nsc) *** Peter Hook & The Light (27.9., Shepherd´s Bush Empire, London) Herr Hook kommt schnell aus der Puste und gibt sein Bestes um dem Joy Division Set zur Eröffnung des Abends einen Hauch Curtis einzugeben. Leider glückte das nicht so. Hunderte Briten und ein paar Zugereiste, feierten anschließend zu besserem Sound, New Order Hits und brachten den alten Theaterboden zum Beben. (tk)

Share.

Leave A Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.