Wie viele Station 17-Alben sind seit 1990 eigentlich schon ins Land gegangen? Das könnte man nachschlagen oder auch lassen. Denn Station 17-Langspieler fühlten sich eh immer nach mehr als nur einem Durchlauf an. Kein „das Album muss wachsen“, ist ja eh totaler Bullshit, das muss gar nix. Nein, vielmehr 1 Füllhorn an Impressionen aus diffusen Anzahlen von Zwischenwelten, vollgestopft mit blubbernden, pulsierenden und meist in sich sehr kompakten kleinen Geschichten. Manchmal gab es Zeiten, da standen Station 17 gefühlt unmittelbar vor dem Welthit. Zum Beispiel auf dem Vorgänger „Alles für Alle“, dieser wundervollen Popstruktion. Heute hat das starke Kollektiv wieder mehrere Nicht-Summen einzelner Teile im „Blick“.

In der Gegenwart ist nun das Elektro-Sauerkraut zurück und liegt dort in sich verdreht wie mit dem Besen auf den Studiotisch gekehrt. Das klingt alles nicht unvertraut: Die Wortmalereien und Versuche, die Stimmen der Ensemblemitglieder, die sich wieder mal vertraute Gäste eingeladen haben. Andreas Spechtl zum Beispiel weit entrückt, Andreas Dorau dagegen as präsent as can be im Social-Media-Diss „Schaust du“ mit eingebautem Trio-Zitat. Und wenn man es ganz genau nimmt sogar doch wieder mit Chartspotential.

Ein bisschen bezeichnend, dass Dorau und die Stationas hier das leidig-schöne Tetris-Spiel zitieren. Denn immer wieder im Laufe der elf Lieder auf „Blick“ entsteht der Eindruck, dass manches Arrangement exakt nach dem zertüftelten Prinzip der kleinen Klötze entstanden sein könnte. Nur unter mehr Fingerspitzen. Extrapunkte übrigens für den Songtitel der Woche: „Die endgültige Wahrheit über Romy (ltd. edition)“. Herrlich. Fantasie kann man nicht kaufen? Doch. Hier: Station 17 am 6. April auf Kampnagel oder bei finestvinyl.de (kel)

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