Bad Behaviour” – eine unverschämt geniale Platte, die jegliche feste Mauern mit Mut zur Veränderung sprengt und damit unlängst unser Album der Woche war.

Nicht zuletzt lernte  Kat Frankie, durch keinen geringeren als Olli Schulz, dass es in der Musik keine Regeln gibt. Zuvor ließ sie ihn jedoch zappeln! Wie es sich anfühlt als starke Frontfrau bewusst in den Hintergrund zu treten und warum der Sprung zur neuen Platte so groß ist, das verriet uns Kat Frankie vor ihrer ausverkauften Show im Mojo Club.

Wer trotz Hochverlegung kein Ticket mehr ergattern konnte, der merke sich das Elbjazz am 2. Juni.

Detailverliebt kombinierst du auf deiner neuen Platte sämtliche Genre. Wie sehr steckt die ehemalige Designerin auch in der Musik in dir? Gibt es da Parallelen?
Jein. Ich denke nicht daran was für ein Song entstehen soll, sondern überlege mir immer erstmal ein Konzept und wie ich es kommunizieren möchte. So beginnt man auch im Design, auf eine Idee folgt die Frage, welche Form diese annehmen soll.

Bad Behaviour ist nicht nur sehr anstößig und kritisch, sondern erinnert wenig an die frühere Kat Frankie. Wie ist diese enorme Weiterentwicklung entstanden?
Doch doch, die erkennt man wieder. Vielleicht wirkt es wie ein großer Schritt, aber das ist er eigentlich gar nicht. In den letzten Jahren habe ich mich anderen Projekten zugewendet und wenig eigene Musik heraus gebracht, sodass niemand diese Weiterentwicklung gesehen hat. Hätte ich dazwischen eine andere Platte raus gebracht und dann Bad Behaviour, wäre der Unterschied nicht so groß.

Bei Olli Schulz, Clueso, aber auch bei Keøma hast du dich eher im Hintergrund gehalten. Inwiefern bist du an den Projekten gewachsen? 
Ich wollte etwas anderes machen. Auf Tour habe ich immer diese dramatischen Lieder performt, deshalb brauchte ich frische Ideen und neue Luft. Für ziemlich viele Jahre arbeitete ich alleine, war immer ganz vorne, aber nie habe ich Musik für andere Leute gespielt. Ich wollte endlich mal mit Leuten kollaborieren und von ihnen neue Dinge lernen. In der Zeit kam Olli auf mich zu und fragte, ob ich akustische Gitarre für ihn spielen würde. Er fragte mich sogar mehrmals, irgendwann habe ich ja gesagt, weil ich eben nie in einer Band war.

Aber warum musste er dich erst mehrmals fragen?
Weil es Olli Schulz war! Wir beide wollten zusammen arbeiten, waren uns aber, wegen dem Timing und so, nicht so sicher, ob es funktionieren würde. Es war nicht nur eine neue Erfahrung für jemanden Gitarre zu spielen, auf deutsch zu singen und auf großen Festivals zu spielen, vor allem musste ich mich fragen, ob ich das überhaupt wollte. Auf der Bühne zu tanzen und einfach Spaß zu haben, war eine total andere Erfahrung. Und ich habe gelernt, in der Musik gibt es keine Regeln. Alles funktioniert besser, wenn man sich selbst treu ist.

Du sagtest einmal, dass es ziemlich einfach ist mit dir zu arbeiten. Kaum vorstellbar, so perfektionistisch wie deine Songs klingen. Wie funktioniert das Zusammenspiel mit so unterschiedlichen Künstlern?
Bei meinen Auftritten bin ich sehr selbstkritisch, weil ich will, dass alles besser ist, weil alles besser sein kann. Wenn ich für jemand anders arbeite, ist es natürlich leichter. Bei Olli Schulz oder Clueso bin ich da um zu helfen. Meine Meinung ist in dem Moment nicht wichtig, weil es ihre Visionen und Wege sind und da denke ich nur daran, eine gute Performance zu machen.

Wie war es für dich mit Clueso auf deutsch zu singen? Die Formation stelle ich mir nochmal um einiges schwieriger vor.
Am Anfang war es schwer. Es gibt diese Zeile “Nichts Schlechtes zu sehen”, die musste ich über 20 Mal aufnehmen, weil die Aussprache so schwer war. Wegen meinem Akzent hatte ich ein bisschen Angst davor, aber gut, dass es geklappt hat.

Lass uns über Sex sprechen: Auf der Platte geht es auch um die Freude am Lieben. Ist Lieben in einer Hauptstadt intensiver oder vielleicht auch etwas verruchter?
Nein, ist es gar nicht. Es gibt auch nur ein paar Songs auf der Platte, wie “Spill”, der sich Sex widmet. Ich wollte immer ein sexy R’n’B Stück, für Leute die kuscheln wollen, schreiben. Früher habe ich auch schon solche Songs geschrieben, aber diese nicht heraus gebracht.

Warum hast du die nicht heraus gebracht?
Ich bin ein bisschen eitel geworden und als junge Singer Songwriterin wollte ich seriös und ernst genommen werden. Das war mir sehr wichtig und deswegen habe ich traurige, dramatische und dynamische Lieder gesungen. Damals habe ich die Sexynes vermisst. Jetzt dachte ich mir, wieso nicht, wir sind ja erwachsen. It feels good, do it.

Immer wieder fällt dein Engagement für eine höhere Frauenquote im Musikbusiness auf. Wie wichtig ist es für dich Protest zu erheben? 
Das ist mir wichtig. Für mich persönlich wäre es cool, wenn mehr Frauen Musik machen würden. Und ich mache, was ich kann, um das zu unterstützen. Andererseits muss ich an meiner eigenen Karriere arbeiten, sodass ich Frauen Jobs geben kann. Mir ist es wichtig Dinge zu sagen und Menschen aufzufordern ihre Stimme zu erheben. Wichtig ist dabei aber eine Balance zu schaffen. Du kannst nicht jeden Tag für irgendwas kämpfen, sondern musst auch was für dich selbst tun. Hinter der Kulisse arbeite ich auch gerne mit Frauen, z.B. bei meiner Plattenfirma, bei Videos und so.

2017 warst du in der Jury von Krach & Getöse. Was hat dich dazu bewegt und worauf hast du dort den Fokus gelegt?
Ich wurde einfach gefragt und fand es interessant, weil es in Hamburg war. In der Berliner Musik Szene bin ich up to date. In Hamburg hingegen gab es viele neue Entdeckungen, auf der Bühne, sowie in der Jury. Ich hatte auch das Gefühl, dass vor allem Künstler aus anderen Städten in die Jury geholt werden, weil diese eher unbefangener an die Künstler ran gehen.

Interview: Tanja Kilian

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