Drechseln wir das hier mal von Seiten Nils Petter Molvaers auf zunächst: „Khmer“ war 1998 nicht gerade von ausreichend durchjazzter Elektro-Wärme auf Albumlänge durchzogen. Trug aber irgendwie trotzdem Hoffnung und war im Genremix mindestens wegweisend bis heute. Darauf folgte mit „Solid Ether“ ein Langspieler, mit dem der geniale norwegische Jazz-Trompeter und Produzent Molvaer die Minustemperaturen außerhalb aller gefühlt messbaren Bereiche ansiedelte. Blutige Finger durch scharfe Kanten, Schmerz und für den Moment alles zur Satzsäule erstarrt. Das alles im Hinterkopf behalten, liegt daher kaum etwas in noch weiterer Ferne, als der nächste Gedanke: Ein Nils Petter Molvaer und seine musikalischen Gefilde könnten mit den jamaikanischen Riddims derer zu Sly & Robbie fusionieren. Tun sie aber doch. Und wie.

Willkommen auf „Nordub“ feat. Eivind Aarset an den Gitarren und Vladislav Delay an diverser Elektronik. „Nordub“ verzichtet auf klare Grenzziehungen und zu tief einschneidende Momente. Von Metaphern, die nun kurzgeschlossene Eisschränke an Sandstränden Funken schlagen lassen, kann an dieser Stelle ebenso abgesehen werden. Denn insgesamt ist „Nordub“ eine versöhnliche und nicht minder spannende aber immer unaufgeregte Verbrüderung zweier Welten geworden. Eine, die zwischen Skandinavien und der Karibik jedes denkbare Klischee einfach außen vorlässt. Man kennt sich eben schon seit 2014, befindet sich, so scheiße banal das klingt, im bestmöglichen gemeinsamen Flow und treibt dennoch nicht einfach so vor sich hin. „Nordub“ mäandert, legt an und wieder ab, gewährt Zeit für Einsteiger, nimmt sich selbst nicht ernster als notwendig und verliert auf ganzer Strecke natürlich kein einziges Wort. Mit einem Wort: Stark. Und aus der Mitte entspringt ein Guss. (kel)

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