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Chor des Monats: Juni 2018

Im Juni beginnt der Sommer. Open Air Saison. Reisezeit. Hummeln im Mors. Auch uns zog es hinaus, in die Clubs, auf die Wiesen, in die Welt:

*** Hollywood Vampires (2.6., Freilichtbühne im Stadtpark) Die All-Star-Band um Alice Cooper, Joe Perry und Johnny Depp spielte im ausverkauften Stadtpark und das richtig gut. Rock-Klassiker zum Mitgrölen. Bestgelaunte Musiker. Alice Cooper endlich mal live sehen – und der Typ war in Topform. Das war richtiger Spaß. Lediglich diese Sache mit dem Golden Circle war großer Mist, der Bereich war viel zu voll. Das hätte man sich schenken können. Aber irgendwas ist ja immer. (cR) *** Body Count (5.6., Große Freiheit 36) Bodycount Motherfucker! Selten hat ein Headliner eine Vorband weniger vermissen lassen. MC Ice-T hat keine Mühe, maximale Response aus der Crowd zu bekommen, denn die Leute feiern die Band, als gäbs Freibier. Wen es überrascht hat, dass die Band zwei Shows an einem Abend in South Central Hamburg ausverkauft, der hätte mal die Publikums-Chöre hören sollen. Ice und Crew machen das alles gut gelaunt mit, ohne sich mehr als nötig ins Zeug zu legen. Sie dreschen uns alte Songs um die Ohren und streuen sparsam auch neue ein. Ice’s Sohn – Little Ice – darf das gesamte Set lang mit Mikro für gelegentliche Gangshouts auf der Bühne rumhampeln und ein vollkommen funktionsloser Maskierter posiert aufgepumpt und regungslos am linken Bühnenrand. Aber egal. Der Abend war für alle Beteiligten ein voller Erfolg. (df) *** Body Count feat. Ice-T (5.6., Große Freiheit 36) B.C. in da house. Ohne Vorband ging’s direkt in die Vollen. Das Publikum beinahe euphorischer als die Band. Die muss aber ja an dem Abend auch noch eine zweite Show spielen. Da heißt es vielleicht Kräfte sparen? Aber nichts desto trotz war da eine Menge Energie. Es gab es die alten Kracher und auch paar neue Sachen zu hören. Wir fühlten uns wie damals. Nur dass wir heute – Jahre später – beim Hüpfen, Springen und Shouten schneller aus der Puste waren. Beleg dafür, dass seit „damals“ ein paar Jahre ins Land gegangen sind ist, dass Ice-T mittlerweile als Familienmensch mit erwachsenem Sohn und dessen Nachwuchs reist. Es war ein lustiger Abend. Ein schöner Abstecher. Eine runde Sache. Punkt. (cR)

*** Bad Religion (6.6., Docks) Die spielen ja gar nichts von der „Suffer“. Und das, obwohl sie auf 30 Jahre „Suffer“-Tour sind. Aber nein, in den ersten 45 Minuten zockten Bad Religion all ihren anderen Hits. Doch nach und nach und irgendwann war dann allen klar, was heute passieren wird. Eine Zugabe, ein Album, 15 Songs, eine Pause zwischen A- und B-Seite. Oder kurz: historisch wertvoll! (mf) *** Beatsteaks, Tocotronic (9.6., Berlin, Waldbühne) Die Beatsteaks feiern. Heimspiel. Endlich mal die Waldbühne. Sie können es gar nicht glauben. Seien sie doch die kleine SO36-Band. Nachdem die Hamburger Jungs von Tocotronic das Vorprogramm absolviert haben, gibt die beste Band des Universums Vollgas. „Yours“, „Hello Joe“, „Hand In Hand“ – Hit an Hit. Die haben aber auch verdammt viele davon. Alle am Toben. Alle am Mitsingen. Keiner sitzt, alle stehen, hüpfen, tanzen. Im Innenraum wird gerannt, gepogt und mit Bengalos gespielt. Die Stimmung ist spitze. Ne wunderbare Sommernachtsparty. Tocotronics Sänger Dirk von Lowtzow darf zu „French Disco“ nochmal zusammen mit den Beatsteaks ran. Etwas später stiefeln erneut Gäste auf die Bühne. „L auf der Stirn“. Deichkind sind da. Der Abend neigt sich dem Ende zu und als Zugabe die größte Überraschung: Die Ärzte. Die beste Band der Welt gibt daheim in Berlin quasi ihr Comeback. Sie performen zwei Songs („Hurra“ und „Schrei nach Liebe“) und das Publikum schreit so laut vor Begeisterung, dass man die Ansagen zwischen den Liedern beim besten Willen nicht verstehen kann. Mit „Let Me In“ und dem Beastie Boys Cover „Sabotage“ ist der Abriss perfekt und die Beatsteaks entlassen uns glücklich in die Nacht. Sie spielten den besten Gig ihres Lebens, denke ich. Aber ich glaube, das werde ich irgendwann in Zukunft wieder einmal behaupten, wie so oft. Sie sind einfach ne verdammt geile Live-Band. (cR)

*** Foo Fighters, The Kills, Wolf Alice (10.6., Trabrennbahn Bahrenfeld) Gestern noch bei den Beatsteaks in Berlin, heute bei den Foo Fighters in Hamburg. Was für ein Wahnsinnswochenende. Mit Dave Grohl steht der nächste auf der Bühne, für den das Wort „Schonung“ ein Fremdwort ist. Neulich noch Probleme mit der Stimme, gibt er Vollgas und seine Bandkollegen tun es ihm gleich. Besonders Taylor Hawkins an den Drums legt sich richtig ins Zeug. Da wird er zum Drum-Solo mit seinem Drum-Kit direkt mal auf einem hydraulischen Podest gen Himmel hochgefahren. Taylor und Dave im Zusammenspiel sind wie immer super zu sehen. Ein Herz und eine Seele. Neben den eher seichteren neuen Liedern spielen die Foo Fighters ne Menge alter Kracher. Die wissen, wie sie die Leute mitnehmen. Sie kennen sich aus mit Stadionrock und großen Arenen. Das Konzert auf der Trabrennbahn vor 60.000 Zuschauern war aber auch für sie ne ordentliche Hausnummer. Die Begeisterung, über so viele Besucher war groß bei der Band. Da lud Dave spontan am nächsten Tag zum Umtrunk in die Weinhandlung Gröhl ein. In den sozialen Medien ließ sich tags drauf verfolgen, dass er tatsächlich dort war, sein Wort gehalten und den Fans das ein oder andere Glas spendiert hat. Coole Nummer. Klasse Show. Großartige Live-Band. (cR)

*** L7/Black Moth (19.6., Gruenspan) Girlpower all over the place. Die Vorband Black Moth aus England boten grossartigsten Dark-Rock und begeisterten, die eher wenigen Besucher vor der Bühne. Es wurde voller, aber nicht ganz voll zu den Königinnen L7. Egal, die Ladies haben ein Konzert der Meisterklasse gegeben, da kann sich manch fünfzigjähriger Knacker was von Abschneiden. Yeah, Girrrrls. (tk) *** Hurricane Festival (22.-24.6., Scheeßel) Als Wiederholungstäter und regelmäßiger Konzertgänger betrachtet man ein Festival mit anderen Augen und hat andere Ansprüche an ein Line-up. Letzteres war dieses Jahr eigentlich sogar ganz gut, doch es stellt sich eine gewisse Langeweile ein. Fast jede Band hat man schon mal irgendwo gesehen (im Zweifel auf dem Hurricane…) und in Scheeßel gibt es leider wenig Neues zu entdecken. Also den musikalischen Horizont erweitern. Dieses Jahr hieß das: Hip Hop und Rap im weitestens Sinne. Große Verwunderung über die Begeisterung der Jugend über SXTN, großer Spaß mit Romano, Comeback gefeiert mit Dendemann, und mit der Meute getanzt zu den Beginner. Meute waren auch da und haben das komplette weiße Zelt zum Schwitzen gebracht, in dem Benjamin Clementine vorher noch mit Arroganz, schlechter Laune und irritierender Bühnendekoration alle Zuschauer vergrauelt hat, Bonaparte verstören wie gewohnt mit absurder Show, Portugal. the man ist seit dem Reeperbahn Festival nichts Neues eingefallen, BRMC mussten nachmittags um 15:00 (!) spielen und waren trotzdem sehr überzeugend und ein echtes Highlight kam (fast) am Ende: Arcade Fire mit einem Ritt durch alle Alben. Beim Verlassen des staubigen Geländes ist man irgendwie unsicher: Nächstes Jahr wieder oder ist die Luft raus zwischen mir und dem Hurricane? (eh)