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Album der Woche: Benne

Damit rechnete nun wirklich keiner mehr. Wie wundervoll ist diese dritte Platte bitte? „Im Großen und Ganzen“ erinnert nur wenig an den in sich zurückgezogenen leisen Wahlberliner.

Benne löst sich aus seiner Stagnation, setzt Ecken und Kanten gezielt ein und lässt seine Platte nur so vor Bewegung strotzen. Unverkennbar will er mehr. Geschichten aufdecken. Bewusstsein einhauchen. Einen Weitblick erhaschen. Vorerst bleibt er im Opener ganz bei sich, motiviert sich selbst die gängigen Wege zu verlassen und lieber „3000 Umwege“ zu gehen, die eben auf keiner Landkarte verzeichnet sind. Und das findet sich auch in der wundervollen Aufmachung jedes einzelnen Songs auf der Platte wieder. Die Klangwelt wirkt größer, vielfältiger, moderner.

Im Verlauf überzeugt Benne als wachsamer Beobachter, in dessen Geschichten man eintaucht und nicht mehr aussteigen möchte. Keinen einzigen Moment. Es beginnt eine Reise durch die Fremd- und Selbstwahrnehmung, der Benne quasi als Reiseführer den perfekten Spannungsbogen gibt. „Herr Krämer“, der als Inbegriff für Herrn Mustermann steht, hält er seine Stärken vor und tauscht den längst überholten Selbstzweiflerspiegel einfach aus. Und dann ist da noch „Bis zum tiefsten Punkt“, dem man etwas mehr Zeit widmen muss. Etwas härtere Kost über Ängste und Verzweiflung, die eben mit ihren konkreten Situationen das feine Gespür sucht, um verstanden zu werden. Die teils sensibel gebrochene Stimme des Songwriters verleiht dem Song obendrein noch die extra Portion Tiefgang.

„Im Großen und Ganzen“ ist ein Album über die Begegnungen mit anderen Menschen, dem Leben und sich selbst. Musik, die starke und ehrliche Bilder erzeugt – konkrete Situationen. „Ein Gemälde mit Musik malen.“, wie Benne erklärt. „Mit mehreren Schichten, nicht nur in schwarz und weiß, mit weniger Blumen, sondern im Abenteuer der Direktheit.“

Benne ist mit seiner neuen Platte einer dieser Künstler, die in dieser lauten Zeit genau die richtigen Töne und Themen in Szene setzen statt der großen Masse den Einheitsbrei zu versüßen. Ganz im Hintergrund kostet er seinen ganz eigenen Blickwinkel aus. Ab jetzt für uns einer der absoluten Geheimtipps! Unbedingt den 5. November in den Kalender eintragen. Da präsentieren wir euch Benne mit dieser grandiosen Platte im Nochtspeicher. (tki)