Die steile These „Love Is Magic“ zu vertonen, könnte einen so simplen, wie im falschen Universum dennoch sehr richtigen Ansatz verfolgen. Oder umgekehrt. Vielleicht würde dieser sich vergleichsweise atemlos in Reminiszenzen an das Volk ergehen.

Oder noch schlimmer. Der alte Grantler jedoch wartet auf mit bodenhaftenden Erinnerungen an die Zeit, als kalte Beats und zerklüftete Arrangements, rote und blaue Neonlichter, synthetische Pullis, Null-Grad-Celsius-Wave, künstliche Vogelfedern und warme Parkas gerade sehr State of the Art waren.

Die zehn Kapitel auf „Love Is Magic“ (erschien gestern) haben oft Überlänge, zumindest wenn man mal von der üblichen 3:30-Minuten-Grenze aus draufschaut. Das herrlich stampfende und alles andere als zähe „Diet Gum“ in der Plattenmitte könnte glatt direkt über Chilly Gonzales in John Grants große Welt eingeflogen gekommen sein. Vorher und nachher beleuchtet Grant, vermutlich meist unter Schwarzlicht, jede nur erdenkliche Nuance dieser sogenannten Liebe. Und Magie jetzt?

Versteckt sich, nichts neues, gegenüber den Seelen erfolgreich gut, die nicht verstehen, welcher ganzheitliche Klumpatsch da tagtäglich wirklich um einen herumsegelt. Solche holprigen Ambivalenzen innerhalb des einzigen Begriffes „Magic“ aufzuzeigen, zu interpretieren und bestenfalls deren Essenz sogar in nahvollziehbaren Klängen zu kanalisieren, das ist eigentlich schon ausreichend Mammutaufgabe für einen Solokünstler an ein paar schnöden und gefühlslosen Programmiermaschinen. „Love’s a shitshow that requires work, it’s not all lollipops and rainbows“, wie Grant sich selbst zum Thema auslässt, ist zwar nicht mehr als eine fast lächerlich banale Beigabe zum Einstieg ins Thema. Als Mitspieler in der magischen Manege den lyrisch eingefärbten braunen Kackehaufen zu wählen, fühlt sich aber nur konsequent und auch ein bisschen erleichternd an. Erst recht gar nicht fernab der Realität platziert. Jedenfalls für diejenigen, deren Gefühle sich nicht all zu hoch zu Ross bewegen auf unserem seltsamen Planeten. John Grant live: 10. November / Rolling Stone Weekender | 13. November / Kampnagel. (kel)

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