Vorweg: „Broken Politics“ klingt nicht annähernd nach „Broken Politics“ auf dem neuen Album von Neneh Cherry (das Album erscheint morgen). Zumindest klingt es nicht annähernd so, wie die Zielvorstellung im Kurzschluss lauten könnte: Zersetzt, in Splittern, gebrochen, aus der Spur, hektisch, unstrukturiert, am Ende einfach kaputt oder gar zerstört. Neneh Cherry hat sich für eine andere Taktik entschieden und die trägt einen verdichteten Schafspelz rund um die Wölfin. Das mag jetzt ein bisschen zu sehr versinnbildlicht sein, wird der enorm komplexen Grundstimmung zwischen Trip, Electro, Pop und Spoken Word jedoch am ehesten gerecht.

Nicht zu verwechseln bitte aber mit einer sich fehl am Platze befindlichen Gelassenheit. Dafür tragen die verwendeten politischen und (a)sozialen Schauplätze von Cherrys Kurzgeschichten viel zu viel Tragik, Katastrophe und Schicksal. Dem in einer gefährlichen Seelenruhe (die ja in Wahrheit gar keine ist) zu begegnen, macht „Broken Politics“ zu einem kraftvollen Statement aus Beharrlichkeit, Geduld und Mut. „Love forsaken. Risk worth taking“ aus „Kong“, einer gemeinsamen Produktion mit Massive Attacks 3D, stampft nahe eines Sumpfes aus Verzweiflung, nährt aber trotz allem auch eine beinahe schon verdörrte Hoffnung.

Manchmal wirken Neneh Cherrys BetrachterInnensicht und „Broken Politics“ wie ein Zeitlupen-Tanz, der nicht der letzte sein will und kann. Vielleicht ein bisschen künstlich, abstrakt sogar trotz der vielen sehr offengelegten Szenarien. Vielleicht manchmal auch grenzwertig metaphorisch. Doch „to throw it all away to lambs in need of sleep dressed, in wolves clothes“ bestätigt im zentralen „Deep Vein Thrombosis“ die frühe Ahnung und öffnet spätestens hier dem Hörer alle Türen. Ein Hörspiel vielleicht. Ein eminent starkes und dringendes Verstörspiel ganz sicher. Neneh Cherry: 2. NovemberKampnagel | Überjazz Festival 2018 (kel)

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