Sich „Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten“ als Vinyl mit ehrlichem Loch in der Mitte vorzustellen, das macht schon reichlich Spaß. Und weiter geht die milde Fahrt: „Bielefeld“ könnte zu althergebrachten Billig-Städtekalauern verleiten. Oder aber zu der Idee, dass Kevin Hamann, Oliver Stangl und Sebastian Cleemann aka Click Click Decker bei dem Text zumindest einmal hinüber durchs offene Fenster ins Hotel Kettcar geschielt haben könnten. Nimmt niemand übel natürlich. Zumal das wunderschöne dritte Dreizehntel der Platte so ausdrucksstark nach Click, Click und Decker klingt wie eine ganze Landungsbrücke nach dem raus. Aber warte, war da nicht … Nadel hochgehoben und flugs nochmal in die vorderste Rille gebimmelt. Und?

Gleich in den allerersten Sekunden nämlich holt „Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten“ zum ersten Mal ganz tief Luft auf seine eigene, spezielle und auch fast ein bisschen melodramatische Art und Weise. Oder atmet einfach ganz profan durch. „Mandelika“ ist das Stichwort. Was dann passiert, ist einfach unglaublich. Weil die drei Clicks sich hier mit enormem Desinteresse einen Gründe legenden Scheiß kümmern. Und sich in der Folge artgerecht unprätentiös an nicht eben winzigen Themen abarbeiten. Nur halt um gleich mehrere Tonnen weniger Aufgeregtheit belastet, als ein Click Facebook pro Tag schon alleine so mit sich bringt.

Mittig kurz vor dem eingangs zitierte Loch schmiegt sich die Miniatur „Schreckmensch“ ans Gemüt. Und leitet einen Wechsel auf die nächste Seite ein, die sich mit „festschwimmen“ zunächst einen veritablen Freiläufer gönnt, der kein Stück Papier mehr zwischen Rätsel, Auflösung und das ureigene Recht auf Seltsamkeit lässt. Fazit? „Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten“ hat nicht nur Größe, sondern größte Aufmerksamkeit verdient. Kauft dieses Album. Es tut sehr gut. Click Click Decker  live: 16. März | Knust (kel)

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