Der Workaholic mit gewissen Vorzügen. Schlaf ist für ihn längst zur Nebensache geworden. Auf die Schauspielerei folgt jetzt dieses Musik-Debüt. Und das löst neben all der Euphorie auch eine gewisse Angst aus. Wieso diese tatsächlich berechtigt ist und wie sehr Carsharing ihn und seine Mitmenschen zur Verzweiflung treibt, erzählte Daniel Donskoy uns vor seinem Secret Gig. Wir waren beim Release der Alternative Pop Nummer “Cry by the river” dabei und durften schon mal in die stimmgewaltigen Songs der EP reinhören. Und was sollen wir sagen? Unfassbar! Wir lieben diese leidenschaftliche Seite an Donskoy, auch wenn wir zugegebenermaßen skeptisch waren, ob er uns mit seiner Musik tatsächlich mal tiefer an sich selbst ran lässt.

Während er bald in Staffel 2 von Sankt Maik zu sehen ist, bastelt er im Studio noch an seinem analogen Sound, der es hoffentlich bis Ende April auf EP schafft. Im Herbst folgen erste Live Termine.

Wie aufregend ist der Release der ersten Single?
Extremst aufregend! Und noch aufregender dadurch, dass man alles alleine macht. Man weiß, wie jeder Schritt ausgesehen hat, wie die erste Fassung auf Papier, das erste Konzept zum Video und wie das erste Konzert gewesen ist. Das ist das lebensbejahenste Gefühl überhaupt, wenn sich Sachen materialisieren, die man im Kopf hat und man sie plötzlich anfassen kann.

Inwieweit nutzt du die Musik als Ventil für dich selbst?
Komplett! Wenn es mir schlecht geht, setze ich mich an das Klavier und schreibe. In gewisser Weise ist es deswegen auch ein bisschen beängstigend, weil für mich ist Musik das was ich mache, wenn ich am Abend nach Hause komme und entspanne. Ich habe auch ein bisschen mit mir gehadert, weil ich wollte die Musik nicht zum Job machen. Das ist so das letzte Ding was ich liebe, das noch nicht Arbeit ist.

Du bist Schauspieler, Musiker, Regisseur, Theaterproduzent und beherrscht unzählige Sprachen sowie Instrumente. Worin bist du absolut untalentiert?
Leider bin ich total unkoordiniert, falle um und bin schusselig. Das ist richtig schlimm eigentlich, weil ich verliere jede Woche irgendeinen wichtigen Gegenstand. Meine absolute Spezialität ist es im Carsharing Auto Sachen zu vergessen. Vor drei Wochen habe ich mein Laptop liegen gelassen, der wurde dann geklaut, dachte ich. Das er gefunden und zurückgegeben wurde, wurde nicht gemeldet. Dann war ich bei der Polizei, die mit der Kripo diesen Laptop gesucht haben. Eine Woche später, exakt auf den selben Tag, habe ich meinen Schlüsselbund mit all meinen Wohnungsschlüsseln in der Mittelkonsole vom Car-2-Go liegen gelassen. Ich bin ausgestiegen und habe das erst nach einer Stunde gemerkt. Ich habe das Car-2-Go dann einfach verfolgt, den ganzen Tag durch Berlin, bis ich meinen Schlüssel wieder hatte.

Vertrauen dir deine Mitmenschen überhaupt noch Sachen an?
Ne, tatsächlich nicht. Die nehmen mir sogar meine eigenen Sachen weg. Wenn ich ein Konzert spiele, sagen alle so, Daniel, kannst du uns bitte deine Sachen geben, damit du danach nicht wieder zwei Stunden damit verbringst sie zu suchen. Die Leute sind gestresst.

Wie würdest du die Musikkultur in London mit der in Hamburg vergleichen?
Uh, interessant. Tatsächlich liegt Hamburg näher dran als Berlin, durch die ganze Punk Szene, den ganzen Grunge. Berlin, wo ich bis 2008 gelebt habe, glitzert mittlerweile und ist viel sauberer geworden. Früher arbeitete ich dort in einem besetzten Kunsthaus an der Theke und habe da auch immer gespielt. Dieses Kunsthaus ist weg. Ich habe in einem besetzten Konzertsaal gespielt. Der ist auch weg. Viele Locations sind verschwunden. In Hamburg auch, aber es sind mehr geblieben und die Hamburger kämpfen viel mehr um ihre Stadt. Die Londoner kämpfen nicht mehr, sondern haben sich schon totgentrifiziert. Deswegen finde ich es immer so schön, dass in Hamburg die Menschen stolz darauf sind, dass es hier eine Subkultur gibt, die hier auch gelebt und zelebriert wird.

Pornodarsteller im Theaterstück „Porn Virgin“, kleinkrimineller Pfarrer in „Sankt Maik“, Soziopath und Pathologe im „Tatort“. Lebst du in deinen Rollen deine dunklen Phantasien aus?
Bestimmt. Das tun wir alle. Wobei das nicht unbedingt dunkle Phantasien sind. Es hat einen riesen Spaß gemacht einen Mörder zu spielen. Ich bin glücklich darüber, dass ich so verschiedene Rollen spielen durfte. Tatsächlich hatte ich auch ein bisschen Angst, wenn ich in so eine kommerzielle Serie gehe, dass ich dann nur noch RomComs angeboten kriege. Zum Glück ist das nicht so.

Als Schauspieler gehört es zum Einmaleins seine Körpersprache als Instrument der Darstellung zu verstehen. Wirkt sich diese intensive Selbstwahrnehmung auf Prozesse der Musik aus?
Ja, wobei ich es versuche auch gerade komplett wieder abzulegen. Als ich mit dem Schauspiel angefangen habe, hatte ich meine Techniken aus dem Studium, die fängst du dann an zu benutzen. Eigentlich ist das Tollste, wenn du weißt die Techniken sind in dir drin, du lässt von ihr los und machst einfach. Ich versuche mich nicht zu kontrollieren, aber ich merke schon einen riesen Unterschied darin, ob ich stehe oder sitze. Am Klavier bin ich viel kontrollierter. Am besten ist es ohne Instrumente einfach mit Band auf der großen Bühne zu sein. Ich will springen, laufen und einfach die Energie raus lassen, die mir die Musik gibt.

Welche Vor-und Nachteile gibt es im Schauspiel und in der Musik für dich?
Na, der Vorteil bei der Musik ist, dass man wirklich darauf fokussiert ist Geschichten aus dem wahren Leben zu erzählen. Ich schreibe halt selbst, auch wenn ich mit Kollegen Writing Sessions mache, ist es mir am wichtigsten sich nichts auszudenken oder irgendein Konzeptalbum zu schreiben. Klar, ein riesen Vorteil ist auch, dass ich jetzt zwei Jahre gearbeitet habe und das Geld in die Musik investieren kann.
Im Schauspiel, das bin nicht ich, weil ich spiele eine Rolle und nicht mich. Das heißt, wenn man danach sagt, oh, das war super, kann ich das empfinden, aber auf eine ganz pragmatische Art und Weise. Die Leidenschaft spüre ich in der Rolle, aber das Prozessieren, wenn ich es mir angucke und mich selber kritisiere, ist eine komische Subebene. Das ist alles nicht meins, nicht meine Geschichte.

Eigentlich bist du immer auf Achse. Wie oft führst du Dialoge mit dir selbst? Und wie darf man sich das vorstellen?
Gerade wenn so viel passiert, muss man manchmal kurz Pause machen und sich fragen, ist eigentlich alles cool. Das kann man morgens im Spiegel ganz gut machen, indem man sich selbst in die Augen guckt. Man weiß dann relativ schnell, ob irgendwas nicht in Ordnung ist und man was ändern muss. Ich glaube, in unserer Gesellschaft wird man nicht dazu beflügelt seine Individualität zu leben und alles aus sich rauszulassen, sondern eher darin gestoppt. Das muss man dann mit sich selber ausmachen. Einfach um sich selbst auch zu lieben. Man sollte nicht an anderen Menschen nach der Liebe suchen, die man sich selbst nicht geben kann.

Wieso sollte deine zukünftige Freundin am besten nicht Künstlerin sein?
Ich habe sowieso kaum Zeit. Und ich glaube, wenn jemand einen Zeitplan hat, wie ich, würden wir uns einfach nie sehen. Das ist eigentlich ganz pragmatisch. Man ergänzt sich am besten, wenn man grundverschieden ist. Ich bräuchte einen Gegenpol, der ein Ruhepol für mich ist.

Interview Tanja Kilian
Fotocredits Ray Burmiston

Share.

Comments are closed.