Moderat haben Pause. Der Apparat kocht ab März. Und um beim Stichwort zu bleiben: Wenig am ersten Modeselektor-Album seit sieben Jahren hat auch nur irgendetwas mit gemäßigten Kompromissen am Hut. Und will es ja auch gar nicht oder wird es jemals haben. Extravaganzen sind auf „Who Else“ das Stichwort der Stunde. Das erwartet man von Gernot Bronsert und Sebastian Szary auch nicht anders, selbst wenn ihre technoide Idee des ewigen kompromisslosen Berlin schon von so vielen anderen zur Erfüllung gebracht werden wollte.

Dass Modeselektor höhere Ansprüche haben offenbart sich, wenn die acht Tracks erstmals durch ebenso viele verschiedene große und kleine Hallen gesprungen sind. „Who Else“ kann den notorischen Eckensteher, gleichermaßen Tanzflur, geht auf den Puristen zu, bleibt dabei aber in jedem Augenblick außerordentlich kompakt. „Who Else“ scheut sich nicht vor dem sägenden Otto von Schirach als Experte für Distortion-Angelegenheiten, zwingt zwei oder dreimal auf den Boden, holt sich die hippe britische Rapperin Flohio für „Wealth“ als beste Wacherdmusik des Monats, hält in „Prügelknabe“ was der Titel verspricht und beweist mit dem estnischen Konzeptrapper Tommy Cash in „Who“ noch einmal mehr allerfeinstes Gespür für Impulse aus der Twilight Zone. Dass Modeselektor im letztgenannten Track fast schon wieder ein wenig die Tür zur Abteilung Moderat öffnen, kann dabei wirklich niemanden ernsthaft stören. (kel)

Das Album gibt’s natürlich bei Finest Vinyl … 

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