Wie lässt es sich außerhalb des Wirkungsbereiches von Berlin ausreichend verständlich erklären, dass Dagoberts „Welt ohne Zeit“ zu großen Teilen ausgerechnet im zeitlosen Brandenburg entstanden ist? Und wie verhält es sich mit jemandem, der schon im Auftakt seines neuen Albums billigend in Kauf nimmt, dass „zwei wie wir nicht zueinander finden“?

Die Antwort könnte verunsichern: „Nichts ist besser als du und ich“. Die zugehörige Perspektive: Welt einfach neu erfinden. Oder zumindest der Weltgeschichte eine irgendwie auch nur entfernt plausibel anmutende Anekdote hinzufügen. Oder wahlweise auch gleich zehn. Emotionale Kontinentalverschiebungen inklusive.

Das große Glück wird also aus der Zukunft in die Vergangenheit teleportiert und erleidet Kurzschlüsse beim Lösen der Rückfahrkarte. Dass Dagoberts Lieder, Pop-Chansons und Hochebenen-Schlager auf „Welt ohne Zeit“ alleine durch eine stets umwehende Sehnsucht begleitet werden, trägt das Bild eines sich bei vierzig Grad Celsius träge bewegenden Deckenventilators. Der, wer kennt es nicht, die Luft quirlt jedoch mitnichten zerfrischt. Wann war Lethargie zum letzten Male so herrlich wenig unangenehm, wann lakonische Liebespfeile ein so treffliches Stilmittel? Wann wurden zuletzt die Manic Street Preachers, Scorpions und New Order auf Schwebetauglichkeit getestet? Und folglich: Wann war Dagobert jemals so wenig Beziehungsweise? Und gleichzeitig so sicher auf dem G-Punkt wie der aktuelle Dart-Weltmeister im Bulls Eye?

Um mit einem Dagobert-Zitat zu schließen: „Es macht keinen Sinn, dass ich nicht bei dir bin“. 12. April | Uebel & Gefährlich | concert-news präsentiert (kel)

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