Pop trifft Leichtigkeit. Geht nicht? Bruckner sagen da was anderes. Und dabei heben sie sich sogar deutlich von ihren 08/15-Kollegen ab. Wie und warum sie damit bei den deutschen Hörern wahrscheinlich aufstoßen werden, das haben sie uns im Interview verraten. Wir trafen sie vor ihrer Support-Show für Max Giesinger.
Tatsächlich brauchten wir allerdings erst einen zweiten Anlauf, um uns von ihrem seichten, aber unglaublich angenehmen Sound zu überzeugen. Aber besser spät und nachhaltig, als eine banale Eintagsfliege. Bruckner holen einen direkt da ab, wo der Alltag eine Pause braucht.
Gerade noch als Support von Max Giesinger, kommen die Regensburger mit eigener Tour zurück auf die Bühne. Am 16. Mai spielen sie in der Nochtwache. Wir haben uns die “Tischtennistage Tour” längst im Kalender fett markiert und hoffen, ihr kommt ebenfalls auf das ein oder andere Bier rum.
Seid ihr Kopf- oder Bauchmenschen?
Matti: Oh, wir waren gerade beim Falafel Laden essen, gerade eher Bauchmenschen.
Jakob: Es sollte so eine gesunde Mischung aus beidem sein. Leider bin ich eher zu oft Kopfmensch. Ich überdenke Sachen tausend mal, lerne es aber immer mehr die erste Intuition für voll zu nehmen. Das ist glaube ich sehr wichtig. Oft hat man im ersten Moment so einen kreativen Impuls. Den findet man am Anfang auch gut, aber je öfter man sich damit beschäftigt, stellt man es in Frage und überdenkt es wieder.
Wie sehr geht euch der Arsch auf Grundeis bei dem Gedanken, vor Max Giesinger in der Sporthalle zu performen?
Jakob: Also gestern war schon schlimm. Ich war sehr nervös. Wir haben seit letztem Jahr November nicht mehr gespielt und nach so langen Konzertpausen bin ich immer zerstört. Natürlich aber auch wegen der Größe, obwohl das Hirn ja schon sagt, ob da nun 2000 oder 5000 Leute stehen, das sollte eigentlich egal sein.
Matti: Von der Bühne runter verschwimmt in so großen Hallen aber alles zu so einer riesigen Masse.
Jakob: Das macht es eben auch schwieriger. Normalerweise hast du die erste Reihe noch nah dran, kannst Gesichter sehen und die Interaktion ist noch etwas leichter als in so einer fetten Halle.
Musstet ihr euch, wie einige andere, Supports auch einkaufen?
Jakob: Ne! Wir haben Max kennen gelernt als wir Lotte supportet haben und er dort als Special Guest war. Danach waren wir noch zusammen feiern. Wir fanden ihn mega sympathisch. Und er meinte ihm hat die Stimmung, die wir verbreitet haben, voll getaugt. Seitdem haben wir nichts mehr gehört und dann kam plötzlich zack: “Hey Jungs, habt ihr nicht Bock auf drei Termine?”. Und wir nur so: “Yeah voll!”.
Ihr durftet ja schon einige größere Shows eröffnen, u.a. Mark Forster, Gregor Meyle, Sarah Connor und Adel Tawil. Verkörpern Kollegen wie Max Giesinger auch eine Art Vorbild für euch? 
Jakob: Ey, Max ist voll krass. Ich finde mega beeindruckend, was da in zwei Stunden passiert. Er ist einfach ein sauguter Entertainer.
Matti: Ja! Und ein wahnsinniger Sänger natürlich auch. Die sind eine Crew von 27 Leuten und was die an einem Tag in so einer Halle aufbauen, ist schon echt beeindruckend. Auch die ganze Produktion ist inspirierend.
Jakob: Das ist auf jeden Fall eine Vorbildfunktion! So soll es bei uns auch mal werden. Musikalisch sollte man sich aber nicht so sehr an den Kollegen orientieren. Da wollen wir einen eigenen Bruckner Sound auf die Beine stellen!
Wie darf Bruckner klingen und wie nicht?
Jakob: Bruckner darf auf jeden Fall nie schwer klingen, nie aufgesetzt, nie gekünstelt, sondern immer natürlich und leicht. Deutsche Pop Musik ist halt wahnsinnig schwer, tiefgründig und emotional. Bruckner soll so ein bisschen befreiend klingen. Genau so, wie unsere kommende Single “Tischtennistage”. Unbeschwert, keine Termine und leicht einen sitzen. Ich glaube, dass das vielen auch aufstoßen wird. Deutsche Hörer sind das nicht gewöhnt.
Habt ihr euer Limit was die Experimentierfreudigkeit angeht schon erreicht oder kommt da noch einiges?
Jakob: Nö, da kommt auf jeden Fall noch einiges! Im April kommt “Tischtennistage”. Die Single hat so leichte Afro Vibes. Wir haben halt viel Vampire Weekend gehört, Beatenberg, Paul Simon und das ist so das was uns inspiriert hat. Und ich glaube, dass es noch nicht so viele deutsche Bands gab, die diesen Sound gefahren haben.
Ihr wolltet über Crowdfunding unabhängig sein. Trotzdem hängt ihr euch an die Maintream Acts ran, die ja nun absolut das Gegenteil von Unabhängigkeit repräsentieren. Wie passt das zusammen?
Jakob: Finanzielle Unabhängigkeit gibt einem Bestimmung über den eigenen kreativen Prozess. Wir wollten uns damals austoben, ins Studio gehen und das Ding machen, von dem wir glauben, dass das cool ist. Wir wollten die Endkontrolle über das kreative Produkt haben und uns von keinem Label reinreden lassen.
Und ich glaube einfach, dass wir musikalisch bisschen innovativer, einfach bisschen verspielter sind und viele Regeln missachten.
Wer ist der größere Quatschkopf von euch beiden?
Matti: Wahrscheinlich ich. Ich muss meinen Quatschkopf ein bisschen mehr ausleben.
Jakob: Ja, der Matti eher. Der ist jünger.
Matti: Wieso eigentlich, kannst du das begründen?
Jakob: Ja, du machst schon viel Scheiße. Matti ist schon der Erste, der die Kleidungsstücke fallen lässt. Also wenn wir feiern sind und die Laune so richtig am kochen ist. Das ist schon sehr lustig. Er hat auf jeden Fall weniger Schamgefühl als ich.
In welchen Punkten seid ihr absolut gegensätzlich? 
Jakob: Wir sind total gegensätzlich in unseren Aufgaben. Der Matti ist auf jeden Fall ein Technikfreak, der bei uns die ganze Bühnentechnik auscheckt und ist eher die Exekutive. Wohingegen ich bei kreativen Fragen mehr den Drücker drauf habe und im Songwriting mehr drin bin. Matti macht bei uns auch die Buchhaltung, weil er einfach Spaß an Zahlen hat.
Matti: Gegensätzlich ist vielleicht auch das falsche Wort, wir ergänzen uns eher in vielen Dingen.
Erstmal etwas vernünftiges lernen. Jakob, du hast Sport studiert und Matti Elektrotechnik. Wieso seid ihr da nicht eurem Vater gleich gekommen und habt Musik einfach mit Lehramt verknüpft oder andere musikalische Pfade eingeschlagen?
Jakob: Wir kommen vom Land und da stand es irgendwie nicht so richtig zur Aktion. Musik ist eine Leidenschaft und ich wollte jetzt kein Musiklehrer werden. Dafür liegt mir Musik zu sehr am Herzen und das hätte mir sie zu sehr verdorben. Nach dem Abi habe ich ein paar Gitarrenschüler gehabt und schon gemerkt, dass ich darin nicht so richtig aufgehe und es mir eher die kreative Power für andere Sachen raubt. Und deswegen war es nicht der Weg für mich.
Matti: Für mich war es auch so. Ich glaube, ich wäre aber auch kein guter Lehrer. Damals waren wir halt einfach noch an dem Punkt, wo wir sagen konnten, wir fahren jetzt einfach mal parallel.
Interview Tanja Kilian

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