Über Jahre hinweg hat sich diese starke Künstlerin vorwiegend im Hintergrund ihrer großen Kollegen gehalten. Wieso sie erst jetzt den Schritt aus dem Schatten von Lena, Mando Diao und Co. wagt und wie die Herkunft der Halbphilippinierin ihre Musik beeinflusst hat, verriet sie uns noch vor ihrer eigenen Tour im Interview.

Am 21. Mai kommt Jenniffer Kae in die Nochtwache. Wir freuen uns schon jetzt auf die stimmgewaltigen Songs ihres kommenden Albums “Halb 4”. Wir durften schon reinhören und würden euch dringend raten es uns gleich zu tun!

Wie würdest du deine Musik jemandem beschreiben, der sie noch nie zuvor gehört hat?
Sehr dynamisch. Von leisen, introvertierten, gefühlvollen Tönen zu kraftvollen, energetischen, emotionalen, sowie frei raus gesungenen Gesang. Ich habe diese zwei sehr starken Pole, die mich ausmachen. Ich bin gerne auf Tour, bin gerne kommunikativ im Austausch und ich unterhalte auch gerne. Aber diese andere Seite von mir, diese eingekehrte Seite ruhig und zart, das gehört eben auch zu mir. Deswegen kann ich es vielleicht an diesen beiden Gefühlen noch mehr festmachen als am Style.

Wieso bist du auf deutsch umgeschwenkt?
Das war tatsächlich so ein gradueller Prozess über viele Jahre. Meine Mama hat immer englische Songs gesungen, die habe ich immer nachgesungen und irgendwann fing ich an, die ersten Songs selber zu schreiben. Irgendwann hatte ich das Gefühl ich bin an so einem Punkt, wo ich nicht alles in diese englischen Worte packen kann. Zum Beispiel habe ich, wenn ich Konzerte gespielt habe, ganz oft den Leuten erst mal so ein Beipackzettel mitgegeben, um den Leuten zu erklären von was die Songs handeln. Ich hab viele Songwriter-Freunde, die deutsch singen und die auch immer zu mir gesagt haben, Jenny, du hast doch so eine schöne Sprache, wieso vertonst du das nicht mal? Es hat ein bisschen gedauert bis ich mich wirklich voll zeigen konnte, weil du kannst dich hinter Sprache auch immer verstecken.

Wieso hast du dich so lange hinter Geschichten anderer versteckt statt deine eigenen zu erzählen?
Wow, das ist eine richtig, richtig gute Frage. Ich komme aus einer Drei-Generationen-Linie von Sängern, die immer englischsprachige Lieder nachgesungen haben und ich glaube, das hat ganz lange mein Selbstbild geprägt. Für mich ging es darum erstmal das Selbstvertrauen in meine Worte zu finden, um meine Musik überhaupt zu vertonen. Das ist mir ganz lange gar nicht gekommen und ich glaube, dass war so ein Prozess, diesen Glaubenssatz zu verinnerlichen, zu verändern und zu sagen, ich hab vielleicht eine schöne Stimme, aber ich hab auch viel erlebt und ganz viel zu erzählen. Das möchte ich auch ungekünstelt und nah machen. Deswegen hat es auch so lange gedauert das Selbstvertrauen in meine eigenen Worte.

Du warst Background-Sängerin zahlreicher Künstler. Wer war für dich besonders inspirierend?
Jahrelang war ich ein riesen Mando Diao Fan. Als 2009 “Dance With Somebody” rauskam, haben die mich tatsächlich gefragt, ob ich auf ihre Europatour mitkommen möchte. Das war meine erste Nightliner Tour und das erste Mal, dass ich echte Rock ‘n’ Roll Luft geschnuppert habe. Diese Band hat mich sehr beeindruckt, weil sie Abend für Abend 1000% gegeben haben. Es war einfach völlig klar, jeden Abend gibt es diese eine Mission, jeden einzelnen bis in die letzte Reihe zu berühren und mitzureißen. Und diese Einstellung zu entwickeln, wirklich immer mit der gleich bleibenden Energie zu spielen und sich zu sagen, ob du ein Wohnzimmerkonzert spielst oder auf einer Arena-Bühne stehst, es gibt keinen Unterschied. Egal, wer zuhört.

Und wer ging für dich so gar nicht?
Entweder ich hatte einfach sehr viel Glück oder ich hab mich immer mit dem richtigen Bauchgefühl entschieden. Du wirst ja gefragt, hast Zeit dich in Projekte einzufühlen und darüber nachzudenken, warum gerade du die richtige Person dafür bist. Kein Bock, hier geh ich oder so, das hatte ich nie. Alle Projekte, die ich jetzt nach und nach verlassen habe, die verlasse ich schweren Herzens und die Freundschaft bleibt erhalten. Das ist echt krass.

Wie verändert so eine Erfahrung die eigene Ansicht auf solche Bands? Also ich stell mir das schwierig vor, wenn du Fan bist und plötzlich bist du mittendrin in diesem familiären Kreis.
Du lernst deine Vorstellungen und Erwartungen komplett auf die Seite zu legen, weil sich das aller wenigste davon mit dem, was du tatsächlich erlebst, deckt. Als Außenstehender urteilt man viel zu schnell. Auch ich schalte den Fernseher ein und denke, oh ne, wenn der den Mund aufmacht. Aber man beraubt sich der wirklichen Begegnung, wenn man sich nicht darauf einlassen kann. Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen diesen Respekt vor prominenten Gesichtern nicht mehr haben. Man scrolle unter Videos und lies mal die Kommentare. Einerseits musst du dir als Künstler ein dickes Fell wachsen lassen und dich einfach mit dem Gedanken anfreunden, ich kann nie jemanden, ich kann nie allen gefallen, ich kann nur mir gefallen. Trotzdem trifft dich sowas. Und das habe ich auch gemerkt. Diese Leute, mit denen du zusammenarbeitest, sind genauso unsicher wie ich, wie du.

Kannst du uns eine Road Story oder einen besonderen Moment erzählen?
Oh, wow. Warte. Also was tatsächlich eine wunderschöne Road-Story war, als ich mit Lena auf Tour war. Sie hat ein Nachholkonzert gespielt. Es war ein ganz besonderer Tag, ein Weihnachtskonzert. Lena hat sogar ein Weihnachtsbaum für die Leute geschmückt. Wir haben nie offiziell darüber geredet, aber mir war klar, dass dieses Konzert meine letzte Show sein wird. Aber es ist ihr Abend, wir können uns danach verabschieden. Auf einmal sagt sie, jetzt kommen wir zu einem Punkt im Programm, der mich sehr traurig, aber auch sehr stolz macht. Jenny wird die Band verlassen und jetzt ihren eigenen Weg gehen. Das war ganz emotional. Die ganze Band hatte von mir einen Song vorbereitet und Lena wollte, dass ich für ihr Publikum ein Lied von mir spiele. Das war ganz besonders für mich, weil es so wertschätzend war. Die jüngste Geschichte wahrscheinlich.

Interview Tanja Kilian

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