Zeiten ändern sich. Meinungen auch. Denn das hier ist anders. Felix Räuber ist anders. Dass Musik durch seine Adern fließt, bewies er nicht zuletzt eindrucksvoll mit seinem Solo-Debüt “Wall”. Seine gezielte Themenwahl ist immer geprägt von Veränderung, dem mehr wollen in einer Welt, wo Regeln die Richtung vorgeben. Wo Wege entstehen, auf denen man auch mal verloren geht. Doch mit seinem Soloprojekt holt der Polarkreis 18-Sänger einen genau da ab, wo sonst eben keiner auf einen wartet und man unverstanden zurück bleibt.

Abseits der gesellschaftlichen Vorstellungen und der damit einhergehenden gedanklichen Einengung, treffen hier große Kompositionen auf eine detailverliebte Inszenierung, in der er sich mit der anstehenden EP „ME“ auf die Suche nach der eigenen Identität begibt. Tabuthemen wird hier ein Sprachrohr verliehen. Nicht aufdringlich. Nicht bevormundend. Viel mehr gibt er der Gefühlswelt eine neue Ausdrucksebene sich zu entfalten. Fast schon eine Art Spielwiese zum mutig sein. In seiner aktuellen Single “Burning Sky” sprengt er die Grenzen der Geschlechter auf, setzt damit ein musikalisches Statement zu Trans- und Intersexualität, das nicht eindrucksvoller mit Bildern den Zustand der Zerrissenheit untermalen könnte. Und genau diese Willensstärke, die nicht selten polarisiert, ist das was beeindruckt. Denn was wären wir ohne die, die eben auch mal bewusst unbequeme Konversationen beginnen und Andersartigkeit viel mehr als Chance sehen.

Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Jedes Stück der neuen Songs baut aufeinander auf und erzählt eine übergreifende Geschichte, die episodenhaft von seinen imposanten Videos begleitet wird. Eine Kombination aus epischer Cinematographie und einer Livemusikperformance. Sicher gibt es musikalisch Parallelen zu Polarkreis 18, die wir zu damaligen Zeiten, nun ja, eher schwierig fanden. Aber seine Kompositionen beinhalten mehr Seele, sind kraftvoller, irgendwie schwerer und gleichsam so tiefgreifend wie nie. Musik, die aber auch Zeit braucht, um verstanden zu werden. Eine Mischung aus Neoklassik, Elektronik und Pop, kurz „Cinematic Pop“.

Mit seinem Soloprojekt und der doch eher überdimensionalen Inszenierung hat er sich nicht unbedingt den leichtesten Weg ausgesucht, durchaus aber den persönlichsten, ehrlichsten und anregendsten. Wer keine Angst davor hat nach links und rechts zu gucken, neugierig ist die eigenen Werte und Ziele zu hinterfragen, dem raten wir dringend den 17. Oktober in den Kalender einzutragen. Da präsentieren wir euch diesen starken Herren in der Hebebühne. Also Freunde, sichert euch rechtzeitig Tickets. (tki)

Foto: Michael Miklas

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