Vorweg: Wer zum Lächeln irgendwelche Stufen hinab zurücklegen muss, ist wieder an der falschen Adresse gelandet. Selbst wenn der Albumauftakt nach Angaben der Band ein bisschen auf den Ortseingang von Bristol verweist. Portishead, Massive Attack, die Älteren unter uns erinnern sich. Beim Kaiser Quartett gilt ja auch eigentlich eine gründliche, charmante, kultivierte und ungeformte Gelassenheit, die Humor glücklicherweise nicht im „Verstehen Sie Spaß“-Modus erklärt. Was der grundsätzlichen Balance zwischen klassischer Violinen-Mittelschwere und beinahe vergessenen, freudetrunkenen musikalischen Hotspots der Geschichte gut zu Gesicht steht.

Oder hätte jemand auf Giorgio Moroders 1978-Disco-Instrumental „Chase“ an zweiter Stelle auf ihrem am 30.August erscheinenden Album „Kaiser Quartett“ erwartet? Das allerschönste an diesem ehrwürdigen Versatzstück aus dem Fundus verglühter Lavalampen: Es passt sich ganz unprätentiös ein in die Liste kleiner Spielereien, die auf solche Rufnamen hören wie „Schramm“, „Hausaufgabe“, „Stresstest“ oder „Vorsprung“. Durch Technik?

Niemand vermisst hier übrigens solche zu Chilly Gonzales, Jarvis Cocker, BOY, Gregory Porter, Kettcar oder Anna Ternheim, die allesamt mit dem Quartett mehr und weniger intensiv verknotet sind jede(r) für sich. Doch das freudetrunken klassische Quartett (be)sticht auch ohne hohe Bondage-Punktzahl in seinen Karten. Und beweist ganz am Ende dann doch noch in einem hübschen Infight, was einer wie der Bronx-Hip-Hopper C-Rayz Walz mit dem Dreieinhalbminüter „Skate“ unter Zuhilfenahme von akkuratem Retro-Sprechgesang anstellen kann. Am 20. Dezember gastiert das Kaiser Quartett auf Kampnagel (concert-news präsentiert). (kel)

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