Schnee, überall Schnee. Neben, über und auf den Gleisen. Ein viele Tonnen schwerer Zug kommt binnen weniger Augenblicke zum Stillstand. Funken sprühen auf blankes Eis und der Kathedralengleiche Bahnhof geht als allerhöchstens fahl beleuchtet durch. Willkommen in der leicht surrealen Welt von „Lust & Learn“, dem dritten The Slow Show-Album nach „White Water“ und „Dream Darling“. Eines, mit dem die Band alles andere als auf glattes Eis führt, wohl aber in eine höchst eindrucksvoll brüchige Welt. Und sollte noch irgendwo Bedarf sein für den Soundtrack zu einer mindestens regional einzugrenzenden Klimakatastrophe: The Slow Show würden auch diesen Auftrag mit Bravour meistern.

Eine instrumentale Einleitung öffnet im Hier und Jetzt auf „Lust & Learn“ die zugefrorene Büchse der Pandora. Und um noch einen Moment in der Spur von oben zu bleiben: Viele der zwölf Lieder hier funktionieren vor einem geöffneten Zugfenster als Bühnenrückwand deutlich besser als bspw. in einem geschlossenen Abteil mit eigener (sic!) Klimaanlage. Chaos und Unruhe, Konflikte Auge in Auge mit sich selbst im Gegenüber oder dem sehr späten eigenen Erwachsenen-Ich? Alles kein ernsthaftes Problem für den Dark-Crooner Rob Goodwin, den es in der Zwischenzeit aus dem nebligen Manchester ins nicht weniger trübe Düsseldorf verschlagen hat.

The Slow Show arbeiten sich in ihren Geschichten und noch mehr szenischen Kulissen an vielen Freund- und Feindschaften ab, nehmen dieses Mal weniger im traumhaft schwelgerischen Modus gefangen und kullern den einen oder anderen ersten, zweiten, dritten Stein an zufällige Glashaus-Türen. Das alles funktioniert oft im Kammerorchester-Modus sehr wohlfeil. Oder an einem Sonntagabend im Herbst unter Beton: 20. Oktober | Uebel & Gefährlich | concert-news präsentiert (kel)

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