Dass „Money’s Too Tight To Mention“ bis heute ein (politischer) Hit gewaltigen Ausmaßes ist, gilt als unbestritten. Blöd nur, dass es die deutlich geilere von zwei Versionen nicht annähernd in ausreichend Gehörgänge geschafft hat. Ob es John und Billy Valentine aka The Valentine Brothers seinerzeit nachhaltig gefallen hat, dass Simply Red mit einem ihrer Songs auf „Picture Book“ abhoben? Egal. Die Achtziger hatten zu dem Zeitpunkt am 14. Oktober 1985 ihre wirkliche Blüte merklich hinter sich gelassen, da war also Platz.

Umso erstaunlicher vielmehr, dass mitten im kalten Veröffentlichungskrieg dieser bis dato ungewisse Mick Hucknall mit seiner Kombo daherkam und aus dem Stand exakt zehn Hits auf einem Album mit exakt zehn Songs platzierte. Acht davon aus eigener Feder. Plus „Money’s Too Tight To Mention“ plus „Heaven“, an dem auch ein noch gewisserer David Byrne beteiligt war. Als verantwortlicher Vorsitzender der beiden Talking Heads-Sternstunden „Stop Making Sense“ (1982) und „Fear Of Music“ (1979). Auch hier gehen allerdings die hochverdienten Geilerei-Punkte raus an das Original.

Was ja alles am Staus von „Picture Book“ als unangefochtene Simply Red-Alphabasis bis heute nichts ändert. Und wie sehr würde man sich wünschen, Hucknall ginge nochmal ausschließlich mit diesem Jahrtausendalbum im Gepäck auf unendliche Tournee-Reise. Abendfüllend schon deswegen, weil sich live jedes der Lieder bis zum Verglühen in die Länge arrangieren ließe. Selbst wenn dafür zwischendurch wahrscheinlich auch mal ein käsiges Streicherorchester herhalten müsste. Mit #holdingbacktheyears hätten wir sogar einen tollen Hashtag-Vorschlag. Über das aktuelle Simply Red-Album „Blue Eyed Soul“ sollen ab November gerne andere sprechen. Wir lassen uns mit akuter Nostalgie entschuldigen.  Simply Red | 29. Oktober 2020 | Barclaycard Arena (kel)

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