Das Chamäleon der Entertainment Branche. Man möchte meinen seine Tage bestehen aus 72 Stunden und mehr, so viele Projekte, wie Daniel Donskoy parallel bewerkstelligt. Schauspiel, Musik und on top schreibt er noch an einem eigenen Film. Und trotz alle dem lässt seine Power keineswegs nach,”wie so ein Molekül, was die ganze Zeit hin und her springt.”, wie Daniel seine Sprunghaftigkeit selbst auf den Punkt bringt.

Schon vor der Show am 1. Oktober im Bahnhof Pauli bekam eine Handvoll ausgewählter Fans bei einem kleinen intimen Garderobenkonzert einen ersten akustischen Vorgeschmack, inklusive eines exklusiven russischen Songs. Und wenn die Fans keine eigenen Fragen haben, dreht der Künstler den Spieß halt um und fragt einfach mal selbst in die Runde. Wir können gar nicht sagen, wer nervöser war, die Fans oder Daniel? Zappelig kann er, aber so nervös, wie Backstage, haben wir Daniel zuvor noch nicht erlebt. Während anderen der Arsch auf Grundeis geht, wirkt Nervosität für ihn eher, wie zusätzlicher Treibstoff. Wie phänomenal war diese Auftaktshow im Bahnhof Pauli denn bitte? Dynamischer denn je, wirbelte Donskoy nur so über die Bühne und begeisterte mit seinen kraftvollen emotionalen Songs. Immer 100 % ungefiltert. Nie Kitschig. Wir sprachen mit Donskoy, wie unterschiedlich Schauspiel und Musik sich sind und wie man es eigentlich mit so vielen Projekten gleichzeitig aushält. 

In unserem letzten Interview (hier zu lesen) sagtest du, jede Woche verlierst du mindestens eine Sache. Welchen Gegenstand hast du zuletzt verloren?
Meine Sonnenbrille vor 2 Tagen in Tel Aviv. Und meine Sportkarte.

Wie hat sich das Jahr musikalisch für dich entwickelt? Was war dabei deine größte Herausforderung?
Vieles war dieses Jahr sehr emotional. Wenn alles zum ersten Mal passiert, kannst du es nie mit irgendwas vergleichen und dann liegt es halt daran das zu entwickeln. Wie fühlst du dich sicher, was sind die Momente, zu denen du sagst, ja genau so muss das sein. Die Ideen sind immer da, aber wir fangen bei allem bei null an. Vorhin haben wir ein Backstage Konzert gespielt. Da war die Frage, wie funktioniert das eigentlich. Auf der Bühne haben wir sechs coole Lichter, wie schließt man die überhaupt an. Aber genau das macht es auch so spannend.
Die größte Herausforderung war beim “Bochum Total” den allerersten eigenen Slot zu spielen. Und da stehen plötzlich 7000 Menschen. Boah, das war einfach so fucking geil. Ich kann das gar nicht beschreiben. Das ist halt so ein Meer von Menschen. Das ist verrückt.

Nebenbei schreibst du noch an einer Serie / einem Film. Könntest du dir auch vorstellen die filmische Darstellung mit einer musikalischen Live-Performance zu kombinieren?
Ja geil, unbedingt! Puh, jetzt gibst du mir noch mehr zu tun. Sowas wäre der Hammer, aber dazu braucht man Zeit. Bei mir läuft gerade alles parallel. Das ist sowieso so interessant und konträr, weil im Schauspiel kommen halt Angebote rein und in der Mukke müssen wir uns erst noch beweisen. Die Musik entwickelt sich aber gerade rasant schnell. Ich komme fast nicht hinterher. Labels fragen an und ich spiele gerade noch die erste Clubtour.

Wie sprunghaft bist du?
Schon sehr, wie so ein Molekül, was die ganze Zeit hin und her springt. In der Arbeit ist das am deutlichsten zu spüren, weil ich halt am liebsten alles parallel mache, ich muss mich meistens auf drei Sachen gleichzeitig konzentrieren. Aber gerade war ich vier Tage Zuhause in Tel Aviv bei meiner Mama und bin da ein bisschen runtergekommen. Das war ganz gut vor dem Tour Stress.

Du liebst es nackt zu sein. Welchen Tätigkeiten gehst du am liebsten nackt nach?
Auf jeden Fall nackt schlafen! Das ist wichtig. Ich hasse es angezogen zu schlafen. Nackt tue ich also: schlafen, duschen, Sex.

Angezogener Sex wäre auch ein bisschen komisch.
Ja, so mit Socken. Ganz klischeehaft Deutsch. Am besten auch noch mit Sandalen.

Daniel, du machst mir Angst. Sex ist ja auch ein begleitendes Thema in deinen Geschichten (“Didn´t I say so”, “One of those days”). Kompensierst du viele deiner gescheiterten Beziehungen und generellen Momentaufnahmen mit Sex?
Was heißt kompensieren? Auf keinen Fall. Sex ist was wunderschönes und das intimste was du haben kannst. Was das angeht bin ich sehr frei. Ich bin immer so ein Mensch, wenn ich was will, dann hat es einen Grund. Die Gesellschaft hat einem da nichts vorzuschreiben, wie und was man leben darf.

Kommen wir zu “Didn´t I say so”: Warum manövriert man sich in eine Liebe hinein, mit dem Wissen, dass sie eh zum Scheitern verurteilt ist?
Na, du weißt es ja nur pragmatisch, aber du kannst deinen Gefühlen ja nicht sagen, oh, das wird nix. Das Gefühl sagt dann ja nicht, oh, wenn es nix wird, dann geh ich nach Hause. In diesen Momenten wird es ja nur alles viel schlimmer. Wenn du etwas nicht darfst, nicht sollst, nicht kannst, willst du es umso mehr. Der Körper trickst einen dann selbst aus. Wenn man ein Mensch ist, der seinen Gefühlen nachgeht und so ein Mensch bin ich, dann manövriert man sich immer wieder in solche Situationen.

Lernst du daraus?
Nein! Irgendwie ist das auch schön.

Du hast keinen festen Wohnsitz, verschenkst gerne deine Sachen. Was bedeutet Komfort für dich und was würdest du nie verschenken?
Nie verschenken? Wow, ich würde fast alles verschenken. Meine Freiheit würde ich nie verschenken. Und mein iPhone auch nicht. Denn für mich ist der größte Komfort, unterwegs sein zu dürfen und nirgends fest sein zu müssen. Wenn ich sage, morgen fahre ich nach London, dann bin ich London. Oder wenn ich übermorgen sage, ich bin in Tel Aviv, dann bin ich in Tel Aviv.

Fans wollen immer gute Road-Stories hören! Kannst du uns eine erzählen? Vielleicht auch eine von deinen Reisen?
Das Krasseste waren die Tage vor der letzten Reise nach Tel Aviv, weil da war ich jeweils an acht verschiedenen Tagen in acht verschiedenen Städten und wusste die letzten drei Tage am nächsten Morgen tatsächlich nicht in welcher Stadt ich bin oder was ich gemacht habe. Manchmal verschwimmt die Realität mit den Träumen.
Ich war auch mal mit der Bahn auf dem Weg von Berlin nach Dresden, wo ich dann in Prag erst aufgewacht bin, weil ich verschlafen habe. Das war sehr cool, aber ich musste eigentlich drehen, bin dann zurückgefahren und kam auch zu spät an das Set. Das war dann nicht so schön.

Du wirkst immer aufgedreht, als hättest du was eingeworfen. Nach was bist du generell süchtig?
Excitement und Adrenalin. Warum ich diese ganzen Sachen mache, weil es mir Lebensenergie gibt. Meine Emotionen rauszulassen, zu sehen, was es im Menschen bewirkt, aber auch mit den Emotionen zu spielen und die Kunst dafür zu nutzen. Ich bin süchtig nach dem Leben und da die Kunst in all ihren Formen mein Leben ist, kann ich ohne dieses Leben nicht leben.

Interview: Tanja Kilian

Share.

Comments are closed.