Die wunderbar sozialromantische Zeitschrift 11 Freunde enthält gelegentlich eine Rubrik „Spieler mit Supernamen“. Um nur einen von vielen daraus zu nennen: Jack Furzer. Wärme die zum Himmel stinkt. Dass also ausgerechnet der digitale Visionär Ben Frost auserkoren wurde, die scheisskalten „Fortitude“-Serien-Soundtrack-Formate zu produzieren, passt wie die kristallklare Luft unter den vielen Türritzen Islands hindurch. Für „Catastrophic Deliquescence (Music from Fortitude 2015-2018)“ muss jedoch niemand die Bilder der Serie dazu kennen, denn die entstehen von ganz alleine während der Rezeption aller einunddreißig Fragmente.

Mittenmang ragt aus der zerklüfteten Klanglandschaft eine lieblich verfrorene „Tainted Love“-Version hervor, die wirkt als sei sie ein Abgesang vom sicheren Ufer aus während sich ein paar Seemeilen weiter die Titanic als Geisterschiff im Nebel dreht. „Catastrophic Deliquescence (Music from Fortitude 2015-2018)“ ist  eine Sammlung von Frosts Arbeiten, für die von Sky Atlantic produzierte Serie, die hier übrigens erstmals auf Vinyl mit brandneuem Artwork erhältlich ist.

Tracks heißen zum Beispiel „Mammoth Suite“, „Perma Frost“, „Bear Alarm“ oder „Thundersnow“, bleiben mal un(be)greifbar weit entfernt oder zerbersten in sich unmittelbar vor dem Zuhörer. Man stelle sich zur besseren Visualisierung ein orchestrales Szenario vor dem Kaminfeuer vor, das zweite Date mit wem auch immer und vielleicht irgendwas mit Eispickeln. „Experimentellem Ambientnoise“ nannten das andere schon viel früher als wir. Dass „Catastrophic Deliquescence“ auch eine düstere Zukunftsvision trägt, ist schon wieder eine ganz andere Geschichte. Und dafür sorgen nicht nur Menschen wie Jack Furzer. (kel)

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