Gengahr sind bekannt für ihre Mystischen und experimentellen Alt-Pop Songs. Am 31.Januar erschien ihr drittes Studio Album „Sanctuary“, das vom alten Schulfreund Jack Steadman (Bombay Bicycle Club) produziert wurde. Schon die Singles „Everything & More“ „Atlas Please“ zeigten die Band von einer ganz anderen Seite, besonders „Heavenly Maybe“ ist überaus temporeicher und tanzfähiger als ihre bisherigen Kompositionen.

Am 29. Februar präsentieren wir euch Gengahr  in der Molotow SkyBar, zuvor hatten wir die Gelegenheit, mit Frontmann Felix Bushe über das aktuelle Album zu sprechen.

Mir ist aufgefallen, dass sich der lyrische und allgemeine Ton der Platte sein wenig gegenüber euren vorherigen Alben verändert hat. Wodurch denkst du wurde diese Veränderung beeinflusst?
Ich weiß nicht, wie viel sich verändert hat, ich denke, dass dieses Album einfach viel persönlicher ist als die vorherigen. Es ist mehr auf meine eigenen Gefühle zentriert. Davor habe ich öfters Charaktere aus entweder Filmen, Büchern oder auch welche erfunden, um den Protagonisten innerhalb eines Liedes spielen zu können. „Sancuary“ wirft den Scheinwerfer mehr auf mich, meine Gefühle und Erfahrungen, vielleicht auch mehr als auf den vorherigen Alben.

Die zentralen Themen des Albums scheinen, der Umgang und die Verarbeitung von Trauer zu sein. Woher ziehst du meistens Inspiration für deine Songs?
Die Inspiration kann so ziemlich von überall kommen. Ich versuche meistens, nicht zu sehr in Formeln zu schreiben. Es ist jedoch überaus wichtig, neue Dinge zu auszuprobieren. Dann kommen einem meistens die besten Ideen. Besonders wenn man sich außerhalb seiner Komfortzone befindet und sich vielleicht nicht ganz sicher ist, was man da gerade tut, dann passiert etwas Besonderes – nicht immer aber manchmal zumindest. Die Inspiration kann auch aus Filmen oder Büchern kommen. Jedoch wird immer ein Element von dir selbst in dem Song existieren. Man kann sich nicht komplett von dem Prozess entfernen, weil man selbst die Musik macht oder auch die Songs schreibt. Also denke ich das immer ein Element der Wahrheit in der Musik existieren wird, ganz unabhängig davon, ob man nun versucht, es völlig unpersönlich zu kreieren. Selbst wenn man z.B. die Geschichte eines anderen erzählt, am Ende behält man immer einen Teil von sich selbst in dem Lied.

Wie ist es zur Zusammenarbeit mit Jack Steadman von Bombay Bicycle Club gekommen und wie war es, mit ihm an „Sancuary“ als Produzenten zu arbeiten?
Es war großartig! Jack ist ein ziemlich talentierter Produzent und Songwriter, die Arbeit mit ihm war für uns was komplett Neues, da wir davor nur mit technischen Produzenten und nicht unbedingt mit Songwritern gearbeitet haben. Ich denke. dass es einen kleinen Unterschied gibt bei zur Herangehensweise und in der Art, in der die Musik gemacht wird. Es war auch einfach sehr hilfreich noch ein paar Ohren dabei zu haben, die einem bei den Arrangements helfen. Seine Produktion ist überaus musikalisch und nicht nur textuell oder Sound basierend, was sehr nützlich für einen Produzenten ist. Ich denke, dass es eine Fähigkeit ist, die er vor allem in dem er selbst Musik schreibt, erlangt hat. Er hat uns sehr mit den Songs helfen können und war praktisch wie ein weiteres Bandmitglied, der am Ende alles zusammentackert.

Wie erhoffst du dir das „Sanctuary” von der Welt aufgenommen wird?
Ich bin immer etwas ermüdet davon, nachzudenken, was als nächstes passieren könnte. Meine Ambition ist es, nach dieser, an einer weiteren Platte zu arbeiten. Uns reicht es gerade aus, dass wir in der Lage sind, weiterhin an Alben zu arbeiten und herauszubringen zu können. Ich denke, dass „Sancuary“ definitiv unser bisher bestes Album ist. Dementsprechend bin ich zuversichtlich, dass wir es weiter vorantreiben werden. Es sind bereits sehr aufregende Dinge für das nächste Jahr geplant und es sieht ziemlich hoffnungsvoll für uns im nächsten Jahr aus. Daher bin ich auch gespannt, wie weit es für uns gehen wird.

Was macht ihr eigentlich in eurer Freizeit, wenn ihr mal nicht Musik macht oder tourt?
Alle möglichen Dinge. Ich liebe es, Football zu spielen oder auch ins Kino zu gehen. Die Freundin von unserem Bassisten Hough schreibt Theater-Stücke, dadurch gehen wir mittlerweile auch ziemlich gerne ins Theater. Oder ich gehe auf z.B. Kunstausstellungen und versuche dort eine Inspirationsquelle zu finden. Aber insgeheim natürlich auch, um von anderen Leuten die Ideen zu stehlen, wie eine kreative Elster.

Gab es denn ein spezielles Buch oder Album was die Arbeit am neuen Album inspiriert hat?
Die größte Inspiration für mich war vermutlich das Buch „The Oddyssey“. Ich versuche immer Ähnlichkeiten in den Charakteren zu finden, um daraus den Einfluss nehmen zu können und somit die Situationen dann überaus zu dramatisieren. Die eigenen Zwangslagen fangen an irgendwie stumpfsinnig und zu sehr auf dieser Realität eingeschränkt zu sein. Am meisten hat es mich inspiriert, als Odysseus Jahre lang auf See ist und versucht, zu seiner Frau zurück zu kehren. Dieses überwältigende Gefühl, nach Hause zurückkehren zu wollen und nicht wirklich zu wissen, ob man das jemals wirklich schaffen wird. Diese Art von Zweifel war etwas, das ich für meine eigenen Songs für ziemlich gut zu verwenden hielt. Es gab den Dingen eine deutlich wortwörtliche Art an epischer Kulisse für einen Teil der Musik. Es ist nicht nur auf mein eigenes Schlafzimmer beschränkt. Diese Epik kann einen in eine andere Welt eintauchen lassen und versucht den Dingen das Gefühl zu geben, dass dieses Außerweltliche ihn aus dem langweiligen Alltag herausholen kann.

Welche Songs vom neuen Album, aber auch von den Vorgängern, spielst du am liebsten live?
Ich denke das “You’re No Fun” sehr spaßig sein wird, wenn wir es auf der Bühne performen, weil es einer der schnelleren Songs auf dem Album ist. Im Moment haben wir ein paar große Momente in der Setlist. Wir haben Songs wie z.B.  “Carrion”, wir haben auf der Bombay-Tournee und auf unseren Shows einige von den neuen Sachen gespielt, darunter auch „Heavenly Maybe“, und es kam sehr gut an. Es war verrückt zu sehen, wie alle anfingen zu tanzen. Das ist für uns als Band etwas komplett Neues. Es gibt eine Menge an unerwarteten Überraschungen auf der Platte. Auf der letzten haben wir versucht, mit einer Menge Ehrgeiz, die Songs in die richtige Richtung zu lenken, aber ich denke, dass wir es auf dieser Platte wahrscheinlich besser schaffen konnten. Wir haben den Songs mehr erlaubt, ihre eigene Identität zu entwickeln. “Never A Low” z.B. klingt fast wie ein Hip-Hop-Backing-Track. Und dann gibt es Momente wie “You’re No Fun” was ein bisschen mehr nach klassischem Gitarrenband-Kram klingt. Aber auch ein Song wie “Moonlight”, etwas was derartig „Stripped-back“ ist haben wir bisher noch nie ausprobiert. Wir ließen die Songs in die Richtung fließen, in die sie fließen wollten. Ich hoffe wirklich, dass es den Leuten gefallen wird.

Habt ihr Irgendwelche Bühnenrituale, bevor ihr auf die Bühne geht?
Wir machen so etwas praktisch nie. Ich kenne auch niemanden, der das macht, um ehrlich zu sein. Normalerweise hängen wir alle vorher miteinander ab, trinken etwas und gehen los und spielen die Show. Wir wärmen uns erst immer etwas in die Shows ein. Wir sind auch eher Musiker als Performer. Wir lassen uns treiben von der Energie des Publikums. Ich finde auch das die Shows das Publikum selbst immer widerspiegeln. Es ist auch großartig zu sehen, was alles so passiert, und dementsprechend dann auf das zu reagieren, was das Publikum in dem Moment fühlt. Ich denke das es definitiv ein Teil unserer allgemeinen Stimmung auf der Bühne ist.

Welche Musik hört ihr normalerweise meistens auf Tour?
Eine ganze Liste. Relativ viel Hip-Hop, Rock, Indie, ein ziemlich bunter Mix. Wir erstellen normalerweise eine Spotify Playlist und aktualisieren sie alle zwei Woche, “What’s on Gengahr HQ”, dort fügen wir viele unserer Lieblingssongs hinzu. Es ist eine großartige Aktion, die wir als Band machen. Wir teilen gemeinsam Songs, von denen wir denken, dass andere sie noch nicht gehört haben, und wir tun es auf einer wöchentlichen Basis. Es ist immer irgendwie spaßig zu sehen was andere Menschen so entdeckt haben.

Gibt es ein bisheriges Konzert, das dir am meisten in Erinnerung geblieben ist oder ein Lieblingsort, in dem ihr gespielt habt?
Nicht wirklich. Glastonbury ist eines der größeren Festivals, bei denen wir bisher gespielt haben. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr auch wieder dabei sein werden. Wir genießen einfach das Gefühl, unterwegs zu sein. Der Touring-Aspekt macht Spaß, da wir uns andere Orte ansehen können. Es ist alles sehr privilegiert, die Länder und Heimat anderer Menschen zu besuchen und es zu unserem Zuhause für den Tag einzurichten. Das alles tun zu können, ist definitiv eine großartige Sache.

Interview: Etienne Ajdarov

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