Hundeblicke: Baxter Dury

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Ein bisschen wirkt (nicht nur) der Anfang des Baxter Dury-Videos „I’m Not Your Dog“ wie der Beginn der ersten Staffel „Lost“: Weit geöffnete Augen, ein menschenleerer Strand und noch mehr Fragezeichen. Dass auch hier der Protagonist einen tüchtigen Absturz zu verzeichnen hat wird derweil schneller offensichtlich als ein Wimpernschlag beim ausnüchtern Luft zufächeln könnte. Baxter Dury in einer Paraderolle? Klar. Doch gibt es ja noch viel mehr auf dem jüngst erschienenen Album „The Night Chancers“ zu entdecken, dessen Überschrift bedrohlich gut an den oben beschriebenen Kurzfilm anknüpft.

Wer an dieser Stelle lieber nicht über Durys Kindheit sinnieren möchte sei auf Papa Ian Durys Album-Artwork „New Boots And Panties“ querverwiesen und solle sich sein eigenes Bild machen. Zurückgekehrt auf „The Night Chancers“ wartet dann schon viel absurder Cockney-Cocktail-Schmock, dem eine ziemlich scharfe Prise sturzbesoffener Sleaford Mods im Zeitlupenmodus untergejubelt wurde. Konterkariert von herrlich nervtötend distanziertem Frauenchor-Gesang. Von den allgegenwärtigen Porno-Streichern mal ganz zu schweigen. Und wenn sogar ByteFM Frank Farian-Referenzen findet, dann wissen wir was die imaginäre Turmuhr in Durys Schädel so geschlagen hat um ganz kurz vor Zwölf.

Am Ende ist „The Night Chancers“ gleichwohl purer, reiner Stoizismus und hat zugleich Edward Hopper-Niveau in fast jedem verdammten Augenblick. Dass das alles hier den nicht eben wenigen Fans von Maarten Devoldere (Balthazar, Warhaus) auch ganz besonders gefallen dürfte, schmälert den Gesamteindruck sowieso mal gar nicht. Das Baxter Dury-Konzert im Mojo Club wurde aus Gründen allerdings auf den 12. Oktober verschoben. (kel)

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