Sex in den sehr frühen Vormittagsstunden, ein tätowierter Notenschlüssel nahe der Schläfen, ein anonymes Hotel am Rande der westdeutschen Großstadt. Eine Netflix-Taste auf der Fernbedienung, die nicht funktioniert, statt das Szenario vollständig außer Kontrolle zu bringen. Aus dem Hintergrund müsste statt Rahn jetzt Musik schießen. Im Idealfall verschmelzen in diesem Augenblick Zeigefingerspitzengefühle mit plakativen Überschriften und die Protagonisten finden sich im Jahr 2013 wieder.

„Mit Drama und mit Sucht probiert, doch beides reichte nicht aus“. Die Zigarette danach vor der Haustüre aus Gründen. Nicht wegen „Too Doof To Fuck“ oder der „Nachbarn“. Dann „Eigentlich“, später „Irgendwie“. Der Moment ist für Post-Punk und Love A gemacht. Die Essenz aus den Texten des Trierer-Vierer, der sich regelmäßig an sich selbst berauscht (und trotzdem alle Anwesenden teilhaben lässt), schmeckt so bitter wie mehr oder weniger absichtlich ausgekippter Schnaps auf trockenem Asphalt. Zehn Jahre sind ins Land gegangen. Oder das Land durch zehn Jahre? Es ist Zeit für eine Jubiläumstour, getränkt mit bekackten Liebesliedern, Trümmern, toten Winkeln, Anti-Wohlstand und einem „Mädchen, das immer ‚Scheiße‘ sagt“. Und das vielleicht ja auch einen gestochen scharfen Notenschlüssel auf ihrer dünnen Haut an der Schläfe trägt. Love A | 23. Januar 2021 | Uebel & Gefährlich (kel)

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