Wenn niemand und nichts anderes zu finden war, um irgendeine Schuld einzugestehen, dann blieb auf eines immer Verlass: „Das Wetter“. Diese Spitze des Eisbergs wird bekanntlich derzeit durch „Der Die Das Virus“ hartnäckig attackiert und wenn obendrein keine Chemtrails mehr am Himmel wabern, dann müssen halt andere Theorien her. Mittenhinein in dieses ungeordnete Chaos wird ab dem 6. Mai das neue blitzgescheite Friends Of Gas-Album „Kein Wetter“ einen rostigen Stachel setzen. Die MünchnerInnen haben, so scheint es, zunächst Literatur in einer Menge von mehreren Tonnen zum Frühstück inhaliert, sich hinterher mit Macheten durch Brombeerhecken das notwendige Adrenalin geholt, Sängerin Nina Walsers Gurgelwasser im Giftschrank verschlossen und ein entzückend entrücktes Noise-Rock-Werk auf die Platte gebracht.

Eines, das (auch) zerfickte Erinnerungen an Timm Völkers zweihundertsechste „Republik der Heiserkeit“ weckt. Eines, das mit seinen graugetünchten Mumien, Monstren, Mutationen und noch mehr Lautstärken Gefühle überträgt, als habe der nahe Isarursprung seine Tore in den Untergrund geöffnet und endlich den Blick auf die sehr böse Seite der Zivilisation freigegeben. So wie in „Stranger Things“, nur ohne Farben. Apropos Strom und Wasser: „Allein der Gesang von Nina Walser ist so überwältigend, dass TontechnikerInnen auf der Stelle das Klinkenkabel aus der Hand fällt“, behaupten Menschen aus dem direkten Umfeld der Friends Of Gas.

Gegen einen Elektrozaun zu pinkeln dürfte jedenfalls kaum schmerzhafter sein als solche wahrhaftigen Momente zu erleben, in denen die Frau Walser wieder zu einem ihrer repetitiven Slogans ansetzt. „Im Bad“ ihrer Eltern mit diesen verrückten Crazy Horse-Momenten. Oder als Lotsin durch den „Stechpalmenwald“. Vor einer Wand aus purem Stoizismus und den „12 Golden Greats“ aller Antimelodien dieses Planeten. Friends Of Gas | 19. Oktober | Hafenklang (kel)

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