Wir so: Konzertblog. Hamburg. Bleibt so. Aber immer mal wieder gibt es das, das man eine Ausnahme nennt. Wenn es nicht anders geht, wenn wir einfach mal Bock drauf haben. Wie hier und jetzt. Denn jetzt gibt es “Das weisse Album” von Haftbefehl. DEM Haftbefehl.

Sechs Jahre gab es kein Solo-Album von ihm und bis eben war mir das ziemlich egal. Hafti, ja ja, der Typ aus dem Feuilleton, da war mal was, der Azzlack-Gründer, der Mann, der auf mit den Beginnern “Macha Macha” gemacht hat, irgendwie ganz kultig, aber wenn schon Deutschrap, dann doch lieber andere. Dann aber tauchte “Das weisse Album” auf, heute kommt es raus, es ist ganz oft ganz schön großartig. Nicht nur die Beats, der Sound. Wobei das alles unfasslich fett klingt, sehr direkt, häufig kraftvoll, regelrecht intensiv, anderes verspielt, düster, beides. Alle Beats sind von Bazzazian, der hier eine beeindruckende Stilbreite abliefert.

Ebenso ist es beeindruckend, wie Haftbefehl hier variabel rappt, unnachahmlich, sehr nach vorne, aber doch immer anders, und vor allem was Haftbefehl hier rappt, was er textlich abliefert. Krasser Typ. Denn natürlich prollt er hier rum, beleidigt und wirft mit Schwänzen, Fotzen, Nutten und Kokain nur so um sich. Ganz oft aber macht er genau das eben nicht oder nicht nur. Persönlich, düster, direkt und fast schon romantisch rappt er zum Beispiel in “Hotelzimmer” über Liebeskummer, in Pt. 4, Pt. 5 und Pt. 6 von “1999” geht es um seine Vergangenheit, in “Depression & Schmerz” geht es genau darum. Ganz anders: mit Humor disst er in “Morgenstern” die anderen. “Ihr habt Klicks, ihr habt Hype, hatte ich schon 2009. Ich krieg’ ein’n Vorschuss pro Album, so viel wie du hast an Instagram-Likes. Milliarden Klicks auf YouTube, doch live hört ihr euch an wie Miley Cyrus.”

Das persönliche Highlight das sehr atmosphärische “Papa war ein Rolling Stone”, in dem er mit Marteria über die Familie rappt und das einfach erschreckend schön klingt! Auch “Conan x Xenia” mit Shirin David (das Shirin David mal auf concert-news.de auftaucht …) ist rein musikalisch ein verdammter Banger, “Trapking” mit Ufo361 besitzt das zu Wort gewordene Selbstbewusstsein des Mannes, den sie Haftbefehl nennen (“Ein Satz in meiner Hook löst zehn Jahre Deutschrap-Image ab.”), alles zusammen macht “Das weisse Album” der Woche. Sachen gibt’s … (mf)

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