Dunkelheit formt den Rahmen, Licht setzt flüchtige Akzente, gespannte Stille füllt den Raum. Fast unsichtbar steht er auf der Bühne. Nur schemenhaft erkennbar im Schatten des Lichterhimmels. SOHN nimmt sich bewusst zurück und öffnet dadurch einen Resonanzraum.
Im Rahmen der Pop Seasons-Reihe wird die barocke Christianskirche zum Resonanzraum für ein neues Kapitel: Mit „Albadas (Dawn Songs)” hat sich SOHN verändert. Seine neuen Kompositionen verzichten auf die gewohnten Popstrukturen und Hooks, sind vielmehr fragile Gebilde aus flirrendem Sound und neoklassischen Flächen. Instrumentale Passagen breiten sich aus, wachsen langsam, fluten die Kirche mit einer Melancholie, die im Körper vibriert. Ein rein instrumentales Album, das in seiner ganzen Zurückhaltung ungeheure Tiefe entfaltet.
Gerade in der Christianskirche wird das körperlich. Der Raum hält den Klang, trägt ihn, wirft ihn zurück. Die neuen Songs legen sich wie Nebel auf die Schultern. Klänge flirren, wachsen, verharren. Es ist nicht die große Geste, die hängen bleibt, sondern das, was zwischen den Tönen passiert. Die feinen Übergänge, das Ziehen in den Melodien. Diese neue Phase wirkt nicht wie ein Bruch, sondern wie eine konsequente Weiterentwicklung. SOHN komponiert anders. Er komponiert in Spannungen. In Kontrasten. Zwischen Reduktion und aufbrausender Klangtiefe. Zwischen kontrollierter Zurückhaltung und eruptiver Dramatik. Gerade die instrumentalen Stücke zeigen das: Sie lassen Luft, sie lassen Zeit und nehmen sich dann beides zurück. Und genau darin liegt die Kraft dieses neuen Kapitels.
Zwischen diesen neuen Klangräumen tauchen aber auch immer wieder vertraute Songs auf. „Rennen” und „Lessons” bringen andere Farben in den Klangraum, setzen eigene Akzente. Sie erinnern, schaffen einen leichten Bruch zum gesamten Set und fangen damit all die Schwingungen ein, die den Saal in dieser Stunde fluten.
Was ein gelungener Jahresabschluss. Die Pop Seasons gehen 2026 weiter mit Acts wie Tom Smith, Yehezkel Raz, The Slow Show oder The Tallest Man On Earth.
Foto: Clara Infante
