Was für ein Wochenende. Heiß, wild und ein bisschen sticky. Rund 40.000 Menschen haben sich an zwei Tagen auf der Elbinsel verteilt. Ein bisschen Industriecharme hier, ein bisschen Artville und Bass dort. Vor allem der Freitag hatte es ordentlich in sich. Der Schatten wurde zum heimlichen Headliner, kalte Getränke zur Währung und jede halbwegs luftige Ecke plötzlich Premium Property. Das Gelände hat sich dieses Jahr ein wenig verändert, das Line-up war bunt durchmischt und auch wenn der ganz große „WHAT THE FUCK“-Moment vielleicht ein bisschen seltener vorbeigeschaut hat als in den vergangenen Jahren: Das MS DOCKVILLE bleibt das MS DOCKVILLE.
Neue Wege, neue Blickachsen, neue Favorite Spots. Das Butterland durfte ordentlich wachsen und auch das Vorschot ist umgezogen. Wo die Bühne in den vergangenen Jahren noch mitten auf dem Weg lag, ist sie dieses Jahr deutlich stärker ins Herz des DOCKVILLE gerückt. Grundsätzlich ziemlich nice. Bei den großen Shows kam die Ecke aber schnell an ihre räumlichen Grenzen. Bei Von Wegen Lisbeth oder Bibiza platzte es vor der Bühne aus allen Nähten. Kein Durchkommen, kein Vorwärts, kein „ich geh mal eben kurz da rüber“. Wer einmal drin war, war drin. Und auch für das kunterbunte, ziellose Treiben, bei dem man eigentlich nur kurz von einer Bühne zur nächsten will oder sich einfach Kunst im Artville gönnen will, wurde dadurch etwas ausgebremst.
Dafür war das Nest wunderbar cozy. Und Holly North? Was zur Hölle war das? Ein bisschen dunkel, ein bisschen hypnotisch und so verdammt atmosphärisch. Und auch CAY und der Podcast „Mord auf Ex“ fanden hier ihren Platz und genau diese Mischung machte den Spot so charmant. Ein bisschen versteckt, ein bisschen intimer und mit genau diesem gewohnten DOCKVILLE -Charme. Genau solche kleinen Ecken sind es, in denen das DOCKVILLE seine ganz eigene Magie entfaltet.
Vor ein paar Jahren noch ganz intim auf der kleinen Butterland-Bühne, diesmal auf dem Grossschot: Berq. Gleiche Stimme, gleiche Intensität, nur ist die Bühne inzwischen ein ganzes Stück größer geworden. Und genau hier zeigt sich wieder, was das MS DOCKVILLE musikalisch so besonders macht: Künstler:innen wachsen hier manchmal direkt vor unseren Augen.
Und als wäre das nicht genug, hatte der Flurfunk natürlich absolut ins Schwarze getroffen, Paula Hartmann stand plötzlich als Secret Act auf der Bühne und kündigte in einem kurzen Set ihr neues Album an.
Samstag dann Tom Odell. Große Songs, große Melodien und der Typ ist auf der Bühne einfach eine eigene Kategorie. Zwischen musikalischer Präzision und völligem Wahnsinn lagen manchmal gefühlt nur ein paar Sekunden. Tom Odell hatte die Bühne dabei ziemlich kompromisslos in der Hand. Und plötzlich stand da auch noch Berq als secret Feature-Partner für „Heal“ mit auf der Stage. Zwei Acts, die an diesem Wochenende ohnehin zu unseren Favoriten gehörten, gemeinsam auf einer Bühne? Nehmen wir.
Auch Wolf Alice brachten ihre kantige Wucht auf die Insel, Paris Paloma so düster, gewaltig und wunderschön intensiv. nand bleibt sowieso sein eigener kleiner Kosmos. Zwischen Synch, Pop und diesem ganz eigenen feinen Sound. Inklusive seiner ziemlich legendären Trompete, die inzwischen fast schon zum guten Ton gehört.
Und dann natürlich Siegfried & Joy, die ein bisschen die Area eröffneten. Ein absoluter Fiebertraum. Herrlich drüber und genau deshalb ziemlich großartig. Genau die richtige Portion Wahnsinn für zwischendurch.
Und jetzt geht der Blick nach vorne: Am 20. und 21. August 2027 wird das MS DOCKVILLE 20 Jahre alt! Was genau zum 20. passiert? Noch offen. Und ehrlich, genau so soll es sein. Also sichert euch frühzeitig die early bird Tickets.
2027, we’re ready!
Foto: Marvin Contessi
