In den vergangenen Tagen passierte Großes in Hamburg. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn erst spielten Die Toten Hosen am 27. August auf der ausverkauften Trabrennbahn, nur zwei Tage taten es ihnen Kraftklub gleich. Beide Shows waren großartig, beide Shows waren besonders. Und beide gehörten ungeplant irgendwie zusammen.
Erstmal also Hosen. Helden von früher bis heute. Und da ist es normal, dass wir alle vergeblich auf einige unserer persönlichen Lieblingslieder warten mussten. Auf Sachen wie “Liebesspieler”, “Niemals einer Meinung”, “Bis zum bitteren Ende” und sogar auf das “Wort zum Sonntag” wurde verzichtet. Die Setlist des Ganzen war natürlich trotzdem allerfeinste Klasse.
Neues, Altes, was dazwischen. Nahezu jeder Song ein Treffer und wirklich jeder wurde lauthalse mitgesungen. Mitgeschrien! „Bonnie & Clyde“, „Liebeslied“ und „Paradies“, später „Alles aus Liebe“, „Pushed Again“, „Wünsch dir was“ und „Hier kommt Alex“ in einer Reihe als Ende des regulären Sets. Auf manch Handyvideo war Campino nicht zu hören, zu laut sangen die Leute. Und ja, etwas leise war es dann auch manchmal. Aber wir waren ja auf der Trabrennbahn, da gehört das dazu.
Die Zugaben dagegen? Außergewöhnlich. Erst kam Marteria für „Welt der Wunder“ auf die Bühne, später sangen die Hose mit Bela B. „Schrei nach Liebe“. Alleine das wäre schon kultig, aber als sich dann auch noch Vicky Leandros für ich „Ich liebe das Leben“ zu den Düsseldorfern gesellte, das sie und die Hosen auch für „Alles muss raus“, dem Bonus-Album zur letzten Platte „Trink aus, wir müssen gehen“ aufgenommen haben, war der Abend endgültig historisch. Zweieinhalb Stunden, unendliche Euphorie, riesige Dankbarkeit. Für eine Band, die seit über 40 Jahren stabil ist, war und bleibt, die das Falsche anspricht und sich für das Richtige einsetzt, eine Band mit Rückgrat, Überzeugung und Kampfgeist. Eine der wichtigsten Bands, die es gab und gibt. Danke, Die Toten Hosen!
Womit wir bei Kraftklub wären. Auch für sie war es ein Finale. Wenn auch nur ein kleines, sie spielten die letzte Show ihrer “Sterben in Karl-Marx-Stadt” und, wie sie sagten, zweitgrößte Bandshow ever. Doch am Ende war da noch was. Denn alle feierten, tobten, lachten und tanzten. Wie bei den Hosen. Und auch hier gab es immer wieder ein breites Kreuz, ganz viel Konsequenz und Meinung, klare Kante gegen Ausländer- und Queerfeindlichkeit – und wer das anders sieht, soll sich verpissen. Niemand sah es anders. Hoffentlich. 34.000 Menschen gegen Nazis. Erst bei den Hosen, dann bei Kraftklub. Macht Mut, machte Spaß. Und fühlte sich ein wenig so an, als hätten die einen gerade an die anderen übergeben.
An diesem Ende spielten sie den “Song für Liam”, davor eine erschreckende Menge an Hits. Was haben die schon für eine Dichte. Früh allerdings gab es eine erste “Enttäuschung”. In Anführungsstrichen. Denn “Fahr mit mir (4×4)” musste ohne Bill Kaulitz auskommen, auf den doch der ein oder die andere gehofft hatte, nachdem er eine Woche zuvor bei Nina Chuba an gleicher Stelle auf die Bühne kam. Auch auf eben diese Nina Chuba hatten manche gehofft (trotz ihrem eigenen Konzert in Hannover an diesem Abend), doch auch “Fallen in Liebe” wurde alleine gesungen.
Die meisten Lieder sangen Kraftklub eh mit den Fans. “Ich will nicht nach Berlin” und “Blaues Licht”, “Unsterblich sein” und “Wenn ich tot bin, fang ich wieder an”, “Halts Maul und spiel”, “Randale” und “Wie ich” und viele, viele mehr. Später kommen Blond auf die Bühne, die auch den Support gemacht haben, und Deichkind zocken mit der Band “Krawall und Remmidemmi”. Und das mitten im Mob. In dem davor auch Felix Brummer immer mal wieder zu finden war. So stark. Campino-Style.
Später dann wurde es noch stärker, gab’s auch noch “Schüsse in die Luft”, “Ein Song reicht” und eben das Lied mit dem Küssen. Die an dieser Stelle rausgehen. An Kraftklub und an Die Toten Hosen!

