Terry Hoax (17. Mai | Markthalle | ) teilen seit jeher ein undankbares Schicksal mit Billy Talent: “Der (hier Bandnamen einsetzen) soll ja echt gut sein, hab’ ich gehört”. Uff. Nein, auch “der Hannoveraner” ist von Beginn “seiner” ausgedehnten Karriere an im Rudel aufgetreten. Ein mittlerweile aber auch mächtig ausgedünntes. Wir erinnern uns also an den Clown mit dem Blues, an die Policy Of Truth, an eine Rund-um-die-Uhr-Rotation auf MTV, an lange Haare und Neunziger-Jahre-Poser auf der Bühne. Die musikalische Sozialisation zu jener Zeit hatte ja auch Luft nach oben. Es musste also etwas geschehen und geschah.
20 Jahre später liegen die meisten Haare bei den Hoaxern so sehr im seriösen Modus, dass man gleich das ganze neue Album danach benennen kann. Auf dem steht (oder schwebt) die Band ganz offensichtlich nicht nur auf dem Cover deutlich über den Dingen. “Serious” trägt dabei ganz sicher schon alleine durch (Oliver) Peraus unzerstörbares Organ noch den wenig unschuldigen Geschmack von 1992 auf der Zunge. Nach der flockigen Gretchenfrage “What are you here for” gleich
zu Beginn und dem luftigen “Sense of Pleasure” allerdings schauen Terry Hoax auch auf ein Songwriting, das entschlossen geradeaus über diesen schmalen Grat zwischen guter Abgehangenheit und Altherrenmannschaft pendelt.
Nicht dass wir uns falsch verstehen: Niemand erwartet einen zweiten, unkaputtbaren freiheitlichen Zirkus oder die Reinkarnation des fast epischen “Den Kindern geht es gut und sie lassen grüßen”. Nach kurzweiliger, facettenreicher halber Albumstrecke und orientalischer Individualreise nach “Istanbul” verlassen sich einige der Songs (“Grateful”, “Little Drama Queen”) aber zu sehr auf die Perauschende Stimme und das, auch im leisen Duett (“I wouldn’t mind it”) sprühende, Charisma des (neben Marcus Wichary) letzten übrig gebliebenen Original-Mitglieds. Was “Serious” in Gänze aber auch zu einem angenehm unaufgeregten und nur wenig schwerfälligen Spätwerk macht. Unseriöse Stadionrocker sind sie deswegen zum Glück ja trotzdem noch lange nicht. Ernsthaft mal. (kel)
