Sido bei Kafka, Sido bei Aria Nejati, Sido im Spiegel. Sido überall. Und Paul auch. “Paul” gibt es seit heute, das neue Album von: Sido. Benannt nach sich selbst, nach Paul Würdig, ein Album über ihn, ein Album, das wieder mal ein wenig anders ist. Es könnte eines seiner wichtigeren sein. Es dürfte sein persönlichste sein.
Musikalisch ist das Ganze jetzt nicht maximal spannend. Sicher, “Unten/Oben” groovt gut und kommt ein wenig verspielter, “Zwischen den Wolken” gewinnt alleine durch Tarek K.I.Z und “Medizin” fällt mit seinen Sonic-Empire-Beats aus der Reihe. Das meiste aber kommt eher entspannt bis sanft, tatsächlich sehr, sehr poppig und was Beats und Dynamik angeht sicher nicht wirklich relevant. , Ganz anders als zum Beispiel mal wieder Haftbefehl. Dessen “Mainpark Baby” tritt mal wieder mächtig Arsch, Bazzazian hat hier erneut überfett produziert, die Musik ist krass. Dafür sind die Lyrics leider überwiegend scheiße bis schlimmer. Anders bei Sido.
Es sind die Texte, die “Paul” besonderer und eben sogar besonders machen. “Scheißegal, ich bin aus Stein, nein, ich wein’ nicht drum. Doch, wenn ich alleine bin, dann wein’ ich drum” rappt er. Oder auch “Jeden Freitag bade ich in Gift, weil nichts egaler ist als ich”, “Sieh’ dir den Scherbenhaufen an.” und “Nenn mich nicht Versager, so nennt mich nur mein Vater.” Sido rappt über sich und sein Leben. Seine Ehe, seine Kinder und sich als Kind, über Probleme, Scheitern, Sucht und Schaden. Sehr ehrlich, sehr bedrückend, sehr berührend.
Ob es live genauso wird? Wissen wir nicht, das wissen nur Sido und Paul. Aber “Versager” zwischen “Schlechtes Vorbild” und “Maskerade” hätte vielleicht tatsächlich seinen Reiz. Am 9. November 2023 spielt Sido in der Sporthalle. (mf)

